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"Mein Stück vom Kuchen" im Kino:Pretty Putzfrau

Die alleinerziehende Mutter France wird mit Anfang 40 arbeitslos - und gerät an Steve, einen Broker, der die Privilegien seines Reichtums mit Luxusapartments und Models genießt. Mit seinem Film "Mein Stück vom Kuchen" übt sich Cédric Klapisch in Sozialkritik, kommt aber über ein mildes "Empört euch!" nicht hinaus.

Mit zwanzig Jahren war alles, was France wollte, ein sicherer Arbeitsplatz. Nun steht sie, Anfang vierzig, auf einmal ohne Arbeit da. Die Wirtschaftskrise hat auch ihre Heimatstadt Dünkirchen erreicht, Frances Fabrik wird des Profits wegen ins Ausland verlagert und alle Arbeiter entlassen. Die alleinerziehende Mutter muss sich mit Nebenjobs durchschlagen, um ihre drei Töchter versorgen zu können, und beschließt, nach Paris zu gehen. "Da gibt es wenigstens noch Arbeit", hält sie den Gewerkschaftlern entgegen, denen auch nicht viel mehr bleibt, als hilflos die Stärke des Kollektivs zu beschwören.

Themendienst Kino: Mein Stueck vom Kuchen

Die Putzfrau und ihr Broker: Karin Viard als France und Gilles Lellouche als Steve in der Komödie "Mein Stück vom Kuchen".

(Foto: dapd)

Verantwortlich für diese Misere sind Menschen wie Stéphane, genannt Steve. Seit zehn Jahren ist der Broker bei einer Londoner Firma angestellt, bei der das Einstampfen von unprofitablen Unternehmen zur Routine gehört. Steve genießt die Privilegien seines Reichtums: Luxusapartments, Kurztrips nach Venedig, Verabredungen mit Models. Obwohl er gelegentlich im Selbstmitleid versinkt, hat er an Beziehungen nur ein rudimentäres Interesse. Im Zweifelsfall sind ohnehin die asiatischen Börsenkurse interessanter als alles andere.

Cédric Klapisch ("L'Auberge espagnole") wendet sich in "Mein Stück vom Kuchen" der Sozialkritik zu. Zwei Welten stehen einander gegenüber, mit eindeutiger Schwarz-Weiß-Schattierung: Hier die unterdrückte, hilflose Arbeiterschaft, dort die gewissenlosen Neoliberalen.

Aneinander geraten die beiden Welten, als Steve für ein halbes Jahr nach Frankreich geschickt wird, um dort ein Büro zu eröffnen. France wird seine neue Putzfrau, sieht sich aber, als Steves Exfrau den gemeinsamen Sohn in der Wohnung ablädt, schon bald zum Kindermädchen befördert - weil der Broker nicht weiß, was er mit dem Jungen anfangen soll. France besteht jedoch darauf, dass Steve sich auch selbst mit seinem Kind beschäftigt. Durch ihre Hartnäckigkeit nimmt der Workaholic seine Angestellte zum ersten Mal als Frau wahr.

In diesem Moment schwenkt Klapisch schnell von der Sozialkritik in eine Aschenputtel-Komödie über, und die vortrefflichen Hauptdarsteller, die spröde Karin Viard und der ungezwungene Gilles Lellouche, machen das zu einer amüsanten Annäherung zweier Einzelgänger. Ihre Figuren sind allerdings die einzigen mit nennenswerten Konturen. Die Milieuschilderungen sind Klapisch ausgesprochen flach geraten: Die Kapitalisten sind gefühllos und öden sich gegenseitig an, die Arbeiter sind solidarisch bis zum Erbrechen und trinken gern ein wenig zu viel. In der letzten halben Stunde verlässt Klapisch dann sein Erzähltalent, er verirrt sich in kuriose und unwahrscheinliche Wendungen.

Über mehr als ein routiniertes Abwatschen der zynischen Reichen und ein mildes "Empört euch!" kommt der Film mit seiner Sozialkritik nicht hinaus.

MA PART DU GÂTEAU, F 2011 - Regie, Buch: Cédric Klapisch. Kamera: Christophe Beaucarne. Mit: Karin Viard, Gilles Lellouche, Audrey Lamy, Jean-Pierre Martins, Zinedine Soualem, Raphaële Godin, Lunis Sakji, Fred Ulysse. Kinowelt, 109 Minuten.