bedeckt München

Mediaplayer:Superfrauenfilme

Ein schwarzer Western mit Barbara Stanwyck, eine Top-Agentin und eine Frau mit überirdischen Kräften.

Von Fritz Göttler

FEU Cover für Mediaplayer

Ein schwarzer Western, melodramatisch überhitzt: "The Furies/Die Farm der Besessenen", 1950, von Anthony Mann. Er hat am Broadway begonnen, in Hollywood zunächst Probeaufnahmen für David O. Selznick geliefert, für "Vom Winde verweht". In den Vierzigern machte er gemeine, fast zynische films noirs, in den Fünfzigern schuf er gemeinsam mit James Stewart eine Reihe, "Meuterei am Schlangenfluss" oder "Der Mann von Laramie". Die "Furies" markieren den Übergang zwischen den beiden Phasen, ein Familiendrama auf einer Großranch, es geht um eigenes Recht und eigene Währung, versagte Liebe und Verlangen, Herrschaft und Unabhängigkeit, alles mit Anklängen an antike Tragödien. Die stolze Barbara Stanwyck zwischen diversen Männern, darunter auch ihr Vater, Pionier-Urgestein Walter Huston in seiner letzten Rolle. Er hat die Ranch aufgebaut und ihr den Namen "The Furies" gegeben. Einen Sinn fürs Spektakuläre hat Anthony Mann nie verloren, Ende der Fünfziger sollte er "Spartacus" drehen, aber er kam mit Kirk Douglas, dem Star/Produzenten, nicht zurecht und wurde durch Stanley Kubrick ersetzt. Jim Kitses, in seinem tollen Buch "Horizons West", 1969: "Alle von Manns Helden verhalten sich, als würden sie von einer Rache getrieben, die sie an sich selber üben müssen, dafür, dass sie einmal menschlich, vertrauensvoll und, daher, verletzlich waren." (Schröder Media. Bei Koch Media werden gerade die Stewart/Mann-Western wieder rausgebracht, zuletzt "Über den Todespass".)

Ein kleines Genrestück über ein junges Paar, das sich mühsam durchschlägt, in Paris, Mitte des 19. Jahrhunderts, später in London - Kinder, immer zu wenig Geld, ein wohlhabender Kumpel hilft aus, oft hockt er mit dem Mann in Kneipen, sie sind beide Schreiber, den Herrschenden suspekt: Karl und Jenny Marx und Friedrich Engels in "Der junge Karl Marx" von Raoul Peck, mit August Diehl, Vicky Krieps, Stefan Konarske. Jenny ist am sichersten, fröhlichsten von den dreien: "Ja, es gibt kein Glück ohne Auflehnung. Ohne Auflehnung gegen die herrschende Ordnung. Gegen die alte Welt. Und ich hoffe, dass ich diese alte Welt sehr bald zusammenbrechen sehe." (good!movies)

Ein Gespenst, das umgeht in London heute - der islamistische Terrorismus. Noomi Rapace bekämpft ihn als Top-CIA-Agentin in "Unlocked" von Michael Apted. Das Spionagebusiness hat viel mit Vorspielerei und inszenierter Identität zu tun, das verlockt die Stars hier zu offenkundiger Schmierenkomödie, Orlando Bloom, John Malkovich, Michael Douglas. (Universum)

London im Ersten Weltkrieg, eine Spionagegeschichte um Angriffspläne und Giftgas, hinter dem die Deutschen her sind. Den Ludendorff gibt Danny Huston, steckt hinter seiner Maske der ewige antike Kriegstreiber Ares? Das meint zumindest "Wonder Woman", in dem Superfrauenfilm von Patty Jenkins - Gal Gadot, die von der Amazone zu einer Art Suffragette mutiert. (Warner)

Noch eine Frau mit überirdischen Kräften, Sofia Boutella als ägyptische Prinzessin Ahmanet in der aktuellen Version von "The Mummy" von Alex Kurtzman. Tom Cruise bringt sie nach London, wo sie, wiedererweckt, ziemliches Unheil stiftet. Russell Crowe als Wissenschaftler, der Stephen Bannon ähnelt, dem Trump-Flüsterer, und mit diesem die Liebe zum Chaos teilt. Sein Name: Dr. Henry Jekyll! (Universal)

Der Junge Masao auf dem Weg zu seiner Mutter, die nun mit einem andern Mann lebt; ein "Onkel" steht ihm auf dem Trip zur Seite. So sieht "Kikujiros Sommer" aus, 1999, ein Ferien-Roadmovie von Takeshi Kitano, der auch den Onkel spielt - in seiner Mischung aus derbem Zupacken und verlegener Sentimentalität spürt man eine kriminelle Vergangenheit. Als er ein paar fiesen Mitschülern das Geld wieder abnimmt, das sie Masao abpressten, will er es automatisch in die eigene Hosentasche stecken. Seine Frau organisiert sein Leben, die Großmutter das von Masao. Den Film gibt es in einer schönen Ausgabe mit Kitanos "Ryuzo and his Seven Henchmen", in dem alte Yakuzas zurückwollen ins alte Geschäft. (Capelight)

Wahnwitzige Kleinkriminalität im amerikanischen Süden, in "Arsenal" von Steven C. Miller. Ein Hohelied auf Brudertreue, anders als in der Kindheit muss nun der jüngere, der es im Baugeschäft zu etwas brachte, dem älteren beistehen, als der in brutale Deals sich verstrickt. Nicolas Cage als Gangster Eddie King, wie fies er sein will, sieht man an der lächerlichen Maske, mit der er zurechtgemacht ist. Eine Naturgewalt? "Katrina hat uns nicht vertreiben können, und Eddie King wird das auch nicht." (Universum)

© SZ vom 13.11.2017

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite