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Ewan McGregor spielt in "Dr. Sleeps Erwachen", der Fortsetzung von "The Shining". Und Erich von Stroheim spielt Feldmarschall Rommel.

Von Fritz Göttler

Nicht indem wir es ignorieren, überwinden wir das Böse, sondern indem wir es angreifen. Das lehrt uns in einer Inschrift der goldene Salamander, eine kleine Tierfigur, gelassen und auf dem Sprung, aus einem reichen Schatz, den der Archäologe David für den Transport nach London vorbereiten soll, in Kabarta, einem kleinen Ort an der tunesischen Küste. "Der goldene Salamander", 1950, ist der zweite Film von Ronald Neame, der lange als Kameramann arbeitete im britischen Kino. England und Kino, hat François Truffaut einst gelästert, das ginge doch gar nicht zusammen. David quartiert sich im Café des amis, bei der jungen Anna, ein. Trevor Howard ist David, Anouk Aimée ist Anna. Sie ist mit ihrem Bruder geflohen, die zwei waren im Widerstand. In Antwort auf die Weisheit des Salamanders haben die Menschen ihre eigenen Sprüche fabriziert: Wir haben Augen bekommen, aber zu unserem Trost auch die Weisheit zu wissen, wann wir sie schließen müssen. (Pidax)

Die Augen schließen, versuchen zu vergessen ... Danny Torrance schafft das nicht, die Gespenster der Jugend bleiben in seinem Kopf. Der kleine Junge aus dem Overlook Hotel ist erwachsen geworden, ein Trinker, wie sein Vater, den Jack Nicholson spielte. Er hat einen Job in einem Hospital, regelmäßig geht er zu den Anonymen Alkoholikern. "Dr. Sleeps Erwachen" ist eine Fortsetzung zum Erfolgsroman "The Shining" von Stephen King, Mike Flanagan hat ihn verfilmt, mit Ewan McGregor als Danny. Er zieht in den Kampf gegen eine Gruppe Herumtreiber, die Kinder töten und ihnen die Lebenskräfte ausschlürfen. Ich bin ein Prolet, sagt Stephen King, ich mag Helden in Arbeiterkluft. Was Danny sehr gut kann: den Menschen die Angst vor dem Sterben nehmen. (Warner)

Nicht vergessen können ... Stephanie hat ihre Familie verloren, durch eine Bombe im Flugzeug, ein Terroranschlag. In ihrer Verzweiflung lässt sie sich erst gehen, dann sinnt sie auf Rache: "The Rhythm Section", von Reed Morano. Blake Lively ist Stephanie, sie macht sich an Jude Law ran, einen suspendierten MI6-Mann, der sie das Killen und das Überleben lehren soll. In einem eisigen See im schottischen Hochland wird sie neugeboren. Reed Morano hat im amerikanischen Kino und Fernsehen als Kamerafrau gearbeitet, unter anderem die ersten Folgen der Serie "The Handmaid's Tale" gedreht. Wenn Frauen im Agentengenre arbeiten, wird immer die Nähe der Profession zur Prostitution sichtbar. (Leonine)

Agentenfilme, im Grunde ihres Herzens sind sie alle Liebesfilme. "La Gomera" von Corneliu Porumboiu spielt zwischen dieser Kanarischen Insel und Bukarest, es geht um Millionen in Matratzen, es gibt einen korrupten Cop und seine ehrgeizige Chefin, ein Mädchen namens Gilda, die schwermütigen Klänge der Barcarole, die das Halsabschneiden gleichsam beschwören. Alle stehen ständig unter Beobachtung, also muss die Liebe sich tarnen als ein Spiel der Prostitution, und am sichersten verständigt man sich mit "el silbo", der Pfeifsprache auf Gomera. (Alamode)

Zwei amerikanische Filmemacher in Rom, der eine ist Abel Ferrara, der die wildesten Filme der letzten Jahrzehnte schuf, den anderen spielt Willem Dafoe in Ferraras Film "Tommaso". Cristina Chiriac, Ferraras Frau spielt Dafoes Frau, ihre Tochter ist Ferraras/Chiriacs Kind. Tommaso, das bin natürlich nicht ich, versichert er. Man sieht Tommaso, wie er sein Italienisch verbessert, wie er junge Leute in Arbeitsgrupppen in Performances ihre Körper erleben lässt, wie er bei den Anonymen Alkoholikern seine Träume ausagiert. Der Film, an dem er arbeitet, ist "Siberia", den Dafoe/Ferrara als nächsten drehten. Tommaso ist ein Erlöser, und dieser Job belastet ihn. Hier, mehr hab ich nicht, sagt er, als er eines Nachts mit ein paar Schwarzen um ein Feuer sitzt, zieht sein Herz aus der Brust und reicht es ihnen dar. (Goodmovies)

Das Böse angreifen ... Corporal Bramble versucht es auf seine Weise, als er durch die ägyptische Wüste rattert in einem einsamen Panzer, im Herbst 1942. In einem leeren Hotel am Straßenrand beziehen die Deutschen Quartier, Feldmarschall Rommel mit seinem Afrika Korps, auf dem Vormarsch nach Kairo. "Five Graves To Cairo" ist Billy Wilders zweite Filmregie in Hollywood. Erich von Stroheim ist Rommel, er wedelt gern mit einer Gerte, zwischen Reitpeitsche und Fliegenklatsche, und schlägt Anne Baxter ins Gesicht, die ein französisches Zimmermädchen spielt das den Bruder aus einem Nazi-Lager retten will. Für seine Ankunft in Kairo bestellt Rommel schon mal eine Oper. Aida. Auf deutsch. Ohne den zweiten Akt, der ist zu lang und nicht gut. (Explosive Media, Koch)

© SZ vom 20.07.2020

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