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Edward Norton hat als Regisseur und Hauptdarsteller den Roman "Motherless Brooklyn" verfilmt. Und "Tag der Gesetzlosen" ist ein kleiner, klarer Schneewestern.

Von Fritz Göttler

Schwarze Schwaden streichen über Cherson, die Stadt am Schwarzen Meer. Die Pest ist mit den Türken im Bunde. Die Menschen fliehen, die Werft ist verlassen. Dann kommt Kapitän Fjodor Fjodorowitsch Uschakow mit seinen Leuten, es ist das Jahr 1783. Er wird die Schwarzmeerflotte bauen, für seine Zarin Katharina II., gegen die Türken. Die Besatzung rekrutieren und trainieren, motivieren mit dem Gefühl von Solidarität und Gemeinschaft.

Der Zweiteiler "Segel im Sturm" und "Schiffe stürmen Bastionen" von Michail Romm, 1953, ist ein klassisches Heldenstück der sowjetischen Nachkriegsjahre, die Seeschlachten haben Hollywoodformat, und auch die fiesen Intrigen, am Zarenhof und international. Im zweiten Teil geht's gegen Napoleon, Schlachten von Korfu bis Rom, hier findet sich reflektiert, wie die UdSSR ihren Part im Weltkrieg sehen mochte, von den Alliierten ausgenutzt und um den verdienten Ruhm gebracht. Für Fans von Boris Barnet gibt es ein Wiedersehen mit Jelena Kusmina, dem Mädchen vom blauesten aller Meere, sie ist eine böse femme fatale, die ungemein intrigante Lady Hamilton. (Filmjuwelen)

Noch einmal Politik als Spektakel, die Politik des Spektakels. "Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen", hat der rumänische Diktator Ion Antonescu gesagt, als er Anfang der Vierziger seinen Beitrag zum Holocaust leistete, Odessa von den Kommunisten befreite, Tausende rumänischer und ukrainischer Juden und Roma verschleppen und töten ließ. Den Satz hat der Filmemacher Radu Jude seinem Film als Titel gegeben, in dem die junge Regisseurin Mariana das grausige Ereignis in Bukarest reinszenieren will. Sie inspiziert Panzer, Uniformen in Museen, testet den Klang von deutschen und russischen Maschinengewehren, wie Tschaikowski und Wagner, liest Isaak Babel, blättert in Fotobänden über die Massenmorde, im Bett, zusammen mit ihrem Geliebten, unbefangen wie bei Godard in den Sechzigern Anna Karina und ihre Jungs. Ein Lehrstück mit Marschliedern, der Schauwert kämpft gegen den Erkenntniswert, die Handys der Zuschauer klicken, wenn Feuer an die Baracke gelegt wird, in der die Juden stecken. (Absolut Medien)

Ich glaube nicht an Zufälle, sagt der junge Mann, die sind nur Mangel an Information. Er studiert, Quantenphysik und Relativitätstheorie, wirkt wie aus einer anderen Welt. Ein kleiner Münchner Traumfilm, "Mein Ende. Dein Anfang." von Mariko Minoguchi. Ein Mädchen und ein Junge, eine Liebe und ein Glück, ein Banküberfall, ein tödlicher Schuss, ein anderer Mann. Was Eltern in die Zukunft der Kinder investieren und was Kinder ihnen dafür zurückzahlen. Es geht zurück an den Ursprung des Kinos. Warum wir Menschen uns immer nur an unsere Vergangenheit erinnern, wundert sich der Junge. Er weiß, dass es Erinnerungen auch in die andere Richtung gibt, an die Zukunft. Saskia Rosendahl ist eine wunderbare Eisprinzessin. (EuroVideo)

Kino der Tyrannen, Kino der Tycoons, "Motherless Brooklyn", nach dem Roman von Jonathan Lethem. Edward Norton hat ihn in seiner Verfilmung zurückgeschoben in die Fünfziger, die Noir-Ära. New York kann sehr kalt sein, vor allem für Detektive. Am Anfang verliert ein kleiner Trupp von ihnen seinen väterlichen Boss, Edward Norton spielt einen der "Söhne", einen Ermittler mit Tourette-Syndrom. Amerikas Misere: Nach dem Crash in den Zwanzigern haben wir uns gemeinsam wieder rausgebuddelt, indem wir füreinander gesorgt haben. Nun, nachdem wir den Krieg gewonnen haben, geht alles um Macht, von oben nach unten ... (Warner)

Hollywood-Genrekino Ende der Fünfziger, über die Fliehkräfte der amerikanischen Gesellschaft. Leute, die profitierten vom Kapitalismus, Gangster und Räuber. Sie bringen Terror in die kleinen Städte, aber werden ausgebremst vom Gemenge der Psychosen und Traumata. Lee J. Cobb ist ein Gangsterboss in "Die Falle von Tula", von Norman Panama, will nach Mexiko. Die enge Stadt, in die sich seine mächtigen Limousinen schieben, ist wie aus Bonanza. Es wird ein mörderisch heißer Tag... (Pidax)

"Tag der Gesetzlosen", 1959, von André De Toth, ein kleiner, klarer Schneewestern. Ein Captain terrorisiert mit seiner Bande eine kleine Stadt, sie wollen Alkohol und Weiber. Der Farmer Robert Ryan kommt ebenfalls in die Stadt, mit Kerosin, um gegen einen Nachbarn zu kämpfen. Dessen Frau hat er einst geliebt, und liebt sie immer noch. Er schrickt zusammen, als er sich selbst unerwartet im Spiegel sieht, was ist aus ihm geworden. Am Ende führt er die Banditen in die Berge, wo es keine Wege mehr gibt, nur meterhohen Schnee, das weiße Nichts. (Explosive Media)

© SZ vom 08.06.2020

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