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Die Miniserie "Chernobyl" von HBO und Sky rekonstruiert den Reaktorunfall im Jahr 1986 - ein Oratorium des Schreckens. Das Liebesdrama "Treffpunkt Hongkong" ist ein Klassiker aus dem Jahr 1955 mit Susan Hayward und Clark Gable in den Hauptrollen.

Von Fritz Göttler

Eine Frau kommt nach Hongkong, Jane Hoyt, sie sucht ihren Mann, der fuhr, ein Weltklassefotograf und irgendwie naiv, nach China und wurde dort als Spion eingesperrt. "Treffpunkt Hongkong/Soldier of Fortune" von 1955, Regie Edward Dmytryk, der einst zu den Hollywood Ten gehörte. Für die Befreiung braucht Jane Hilfe, am besten die von Hank Lee, der die US-Armee verließ und nun mit allerlei Geschäften und einer Schmuggeldschunke die Stadt im Griff hat. Er mag sich, sagt Jane, selbst als einen Glücksritter sehen, für sie sei er ein Gangster. Susan Hayward ist Jane, Clark Gable ist Hank, und es ist umgibt ihn immer noch die feudale Aura des Südstaatlers. Die zwei verlieben sich, er erhofft Erlösung von ihr aus seiner Einsamkeit. Ein früher Cinemascopefilm, das neue breite Format schafft Platz, so dass von überall her Geschichten in den Film dringen und Geschichte. Hollywood liebt die Emigranten, Gestrandeten, Heimatlosen, die Kolonie ist ein Transitraum. Er zitierte gern Poesie, sagt ein robuster Kneipenwirt von einem alten Ex-General, und lächelte, als hätte er einen Witz parat, den er niemandem erzählen würde. (Koch Media/explosive media)

Auf dem Weg zum neuen China, auch dort müssen die Dinge sich ändern, damit alles beim Alten bleiben kann: "Asche ist reines Weiß", von Jia Zhang-ke. Das Mädchen Qiao und der junge Bin sind ein Paar, er leitet den kleinen Gangstertrupp seines Städtchens. Aber eine neue Schwarmaggressivität greift die alte Ordnung an, Qiao kann sie noch mal abschrecken durch einen Schuss in die Luft, aber sie muss ins Gefängnis, wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Nach fünf Jahren, als sie rauskommt, ist die alte Welt untergegangen, dem gewaltigen Dammprojekt der Drei Schluchten müssen Häuser und Dörfer weichen. Eine Chronik vom Vergehen der Zeit, die ohne Aura des Epischen auskommt. (Neue Visionen/good!movies)

Frankreich kämpft: In Dschibuti, der letzten seiner Kolonien, wird ein Schulbus von Terroristen entführt, die für die Freiheit ihres Landes agieren. Knapp vor der Grenze zu Somalia wird der Bus gestoppt: "L'Intervention", von Fred Grivois, bei uns mit dem Titel "15 Minutes of War" versehen. Die Politik verhandelt, die Fremdenlegionäre warten auf Befehle, ein kleines Team versierter Schützen bringt sich in Position. Die Hitze und die Unschlüssigkeit setzen allen zu. Der Plan der Snipers ist ausgetüftelt wie ein Kino-Spezialeffekt: fünf gleichzeitig abgefeuerte Schüsse wie einen einzigen erscheinen zu lassen. (Al!ve) Frankreich kämpft, September 1918, an der bulgarischen Grenze. Der Schützengraben ist nur ein Durchgangsraum für Conan und seine Kämpfer, sie rutschen rein, und nach wenigen Minuten ziehen sie schon wieder los, um den Schutz der Nacht auszunutzen für einen weiteren Coup. Philippe Torreton von der Comédie-Française ist "Conan" im Film von Bertrand Tavernier. Der Film ist ganz nüchtern und lakonisch in aller Breite und Gelassenheit. Ich bin kein Soldat, erklärt der wilde Conan, sondern ein Krieger, und Taverniers Film erzählt davon, was mit den Soldaten sein soll, wenn der Krieg vorbei ist. Wenn sie im Regen stehen gelassen werden und die Schlachtfelder noch mal beleben müssen mit ihren Erinnerungen. (Pidax)

Amerika kämpft, 1945, auf einer Insel im Pazifik, "Between Heaven and Hell/Feuertaufe", 1956, von Richard Fleischer. Der junge Robert Wagner wird strafversetzt in einen fiesen Außenposten, wo Broderick Crawford als Major herrscht, der wie eine Vorahnung wirkt zu den durchgeknallten Militärs in "Apocalypse Now". Wagner erfährt, was Solidarität ist, immer näher kommt er dem Herz der Finsternis dieses Krieges. Selten war der Horror der Kämpfe so dicht wie in diesem Antikriegsfilm, schrieb Bertrand Tavernier, aber vielleicht sei er gar nicht so anti Krieg ... (Koch Media/explosive Media)

Noch einmal das Herz einer Finsternis, die HBO-Sky-Miniserie "Chernobyl". Der Reaktorunfall 1986, dokumentiert auf sechs Kassetten, die einer der Beteiligten besprochen hat, danach hängt er sich auf. Die Explosion, die Verwüstung, der Heroismus der Männer, die auf verstrahltes Terrain geschickt wurden, die Evakuierung der Stadt Prypjat, die Niedertracht der Funktionäre, die den Schaden gering halten wollten für das Ansehen der Sowjetunion. Mit Stellan Skarsgård und Jared Harris, Buch Craig Mazin, Regie Johan Renck. Ein Oratorium des Schreckens, Beschwörung absoluter Klaustrophobie, alles soll eingedämmt, zubetoniert, vertuscht werden. Besonders klaustrophobisch: das monotone Tapetenmuster im Zimmer, wo der Mitwisser zum Schweigen gebracht wird. Die Musik ist von Hildur Guðnadóttir, die auch für den allseits erwarteten "Joker" den Soundtrack komponiert hat. (Polyband)

© SZ vom 07.10.2019

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