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DVD-Cover "Kopfüber in die Nacht".

(Foto: Verleih)

"Kopfüber in die Nacht": Ein Klassiker mit Michelle Pfeiffer und Jeff Goldblum. "Kosmische Reise": Fantastisches Kino aus Russland von Wassili Schurawljow. "Das Haus der Vergessenen": Ein Horrormärchen von Regielegende Wes Craven.

Von Fritz Göttler

Wie ist dein Name, fragt der junge Mann die junge Frau, die in sein Auto gesprungen ist. Er hat die Augen kugelrund offen, zwischen Neugier und Ungläubigkeit, er leidet an Schlaflosigkeit, wird in seiner Firma als trödeliger Tropf belächelt, und seine Frau betrügt ihn. Er ist in die Nacht aufgebrochen, zum Flugplatz der Stadt, wo er ein wenig Leben zu finden hofft. Die Frau hat eben erleben müssen, wie ihr Freund abgestochen wurde von ein paar wilden Savak-Leuten, Schergen des ehemaligen Schahs von Persien, und die sind nun hinter ihr her, es geht um eine Handvoll Smaragde. Jeff Goldblum und Michelle Pfeiffer in einem magischen Märchen aus Los Angeles von John Landis, 1985, "Kopfüber in die Nacht". Sie heiße Diana, sagt Pfeiffer mit ihren wasserblauen Augen, zwischen Schock und Verträumtheit. Ein unfassbares Abenteuer beginnt, das Abenteuer der Liebe. Mein erster Misserfolg, erinnert sich Landis, der selbst einen der Savak-Leute spielt, und er hat auch eine Erklärung dafür. Konzeptkino sei einfach, da kann man als Kritiker alles in einem Satz erklären, aber wenn man die Genres durcheinandermuddelt ... In einer Kernszene trifft der Killer David Bowie die Komiker Abbott & Costello, die Frankenstein treffen. (Koch Media)

Um wertvollste Steine geht es auch in "Ocean's 8", einer trickreichen Bluff-und-Klau-Orgie im Geiste von Danny Ocean. Sandra Bullock spielt seine Schwester, Cate Blanchett ist ihr Kumpel, beide sind mit all ihren Spießgesellinnen so perfekt, dass es ein bisschen langweilig wird. (Warner)

Fantastisches Kino, "Kosmische Reise" von Wassili Schurawljow, ein später Stummfilm von 1936 aus der Sowjetunion, die sich damals als Reich der unbegrenzten Möglichkeiten sah und ins Universum drängte, filmisch, auf den Mond. Eine Großproduktion, Eisenstein hat sie gefördert, ein tausend Quadratmeter großes Studio wurde dafür bereitgemacht, mit komplexer Logistik, 2500 Glühbirnen simulierten die Sternennacht, und wenn die Kamera das stattliche Raumschiff der Sternenfahrer umrundet, lässt das manche der vielgepriesenen Ufa-Effekte von "Metropolis" verblassen. Der revolutionäre Überschwang hält die Geschichte bis heute frisch, mit ihrer Kraft der Illusion. Einmal wird ein Karnickel aus einer Minirakete gezaubert. (Edition Filmmuseum)

Fantastisches aus Schweden, "The Unthinkable", von Victor Danell und dem Kollektiv Crazy Pictures. Große Emotionen und Spezialeffekte, mit Crowdfunding finanziert, etwa zwei Millionen Euro. Ein Junge und ein Mädchen treffen sich wieder, ihre Familien sind auseinandergerissen, das Coming of Age ist lang vorüber, die Zeit, als sie gemeinsam am Klavier saßen. Dann wird das Land angegriffen, Terror- und Sabotageakte, Explosionen in der U-Bahn, Lahmlegung der Stromversorgung, ein tückisches Gas, das den Menschen ihre Erinnerungen raubt. Autos krachen auf den Straßen ineinander, es liegt auch ein Moment von Sterbensmüdigkeit darin. "Jetzt kommt die Zeit des Blühens" ist der Originaltitel. (Ascot Elite)

Aus Hollywoods letzter Blütezeit, ein letzter großer Western von Raoul Walsh, 1964, "A Distant Trumpet/Die blaue Eskadron". Ein junger Leutnant kommt direkt von West Point nach Arizona, ins Land der Apachenkriege. Das Fort Delivery ist staubig und verlottert, er sorgt für Drill und Ordnung und sollte sich klar werden über seine Liebe zu einer Frau. Für die Pariser MacMahonisten, die Gegengruppe zu den Leuten von den Cahiers du Cinema um Truffaut und Godard, war Walsh einer der größten Filmemacher. Sein Film ist, man muss nur genau hinschauen, alles andere als Kino der alten weißen Männer - Walsh war 77, als er ihn drehte -, sondern von unheimlicher Sensibilität. Die zentrale Szene, hat er erklärt, ist die zwischen dem Jungen und der Frau, auf der Flucht vor den Indianern von blitzartig einsetzendem Regen überrascht, in einer Höhle Zuflucht suchend. (Filmklassiker)

Ein Horrormärchen von Wes Craven, "Das Haus der Vergessenen", 1991. Ein schwarzer Bub bricht mit zwei Kumpels in ein Haus ein, wo ein Geldschatz gehortet sein soll. Sie brauchen das Geld für die Miete, sonst werden sie aus der Wohnung gejagt. Ein böses Paar von Immobilienhaien haust in dem Hexenhaus, und wenn das Hineinkommen schon schwierig war, so erscheint das Herauskommen schier unmöglich. Ein Mädchen, ihr Name ist Alice, hilft dem Bub auf seiner magischen Tour. Sein Name ist Fool, nach dem Narren auf der Tarotkarte. Der Narr steht am Abgrund, und um nicht abzustürzen, muss er sich zurückwenden, den Weg durchs Feuer nehmen. Das wird ihn verbrennen, aber er wird als Mann daraus hervorkommen. (Koch Media)

© SZ vom 07.01.2019

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