Mediaplayer Moderne Ritter, robuste Ideale

Ed Harris als selbsternannter König in George A. Romeros „Knightriders“.

(Foto: Koch Films)

Die "Knightriders" (1981) von George A. Romero wurden bei uns damals verstümmelt. Jetzt gibt es sie vollständig auf DVD.

Von Fritz Göttler

Es ist alles da, was zu einem richtigen Turnier gehört, Gaukler und Taschenspieler, die kleine Handarbeiten anbieten und sich flirtend den Mädchen im Publikum beigesellen, Lautenklänge, die sich durch die Luft schmeicheln, dann markante Fanfarenstösse, die Ritter werfen sich unter dichten Helmbüschen letzte Blicke zu und klappen ihre blechernen Visiere runter, legen die Lanzen an und preschen aufeinander los auf ihren Motorrädern, bis es kracht. Ein modernes, amerikanisches Turnier. Natürlich gibt es auch den Besserwisser unter den Zuschauern, der seine Nörgeleien zwischen halbzerkauten Hamburgerbrocken rauswürgt: Naja, das ist wie bei den Ringern, die haben Blutkapsel im Mund, die sie dann zerbeißen ...

"Knightriders" heißt der Film von George A. Romero von 1981, der deutsche Verleih setzte ein erklärendes "Ritter auf heißen Öfen" dazu. Es ist einer von Romeros liebsten. 1968 hatte er mit seinem Erstling, " Night of the Living Dead" den Zombiefilm als modernes Genre begründet, der nächste Film der Serie, "Dawn of the Dead", wurde ein Riesenerfolg, ein böser Kommentar zur Konsumgesellschaft. Mit den Knightriders zollte Romero dem legendären Easy Rider Tribut, holte ihn raus aus dem Hippie-Dunst.

Alles ist drin, der Morgan, der Schwarze Ritter, der auch gern ein König wäre - er hat erst später gemerkt, dass Morgan Le Fay in der Artus-Sage eigentlich eine Frau ist - und der Magier Merlin (Romero hatte den jungen Morgan Freeman angefragt, aber der traute sich nicht, so spielt nun der Performer Brother Blue und lässt seine Mundharmonikaklänge flattern wie Schmetterlinge), King Billy und seine Königin. Dazu gibt es korrupte Polizisten, windige Manager und Society-Damen, die grosses Geld machen wollen mit der Show. In diesen 'Renaissance Shows' erleben die Amerikaner eine Vergangenheit, die sie nie hatten. Romero hat mit vielen der Freunden gedreht, die man aus seinen Filmen kennt, seine Frau Christine Forrest, Tom Savini, der ihm die Zombie-Spezialeffekte lieferte, auch Stephen King ist dabei, als der mampfende Fan mit den Blutkapseln.

King wird dann das Drehbuch zum nächsten Romero schreiben, "Creepshow", fünf schauerliche Stories aus dem legendären Comicmagazin. Das war der Deal, "Creepshow" die Bedingung dafür, dass Romero die "Knightriders" überhaupt produziert bekam, plus natürlich der dritte Living-Dead-Film. Als "Knightriders" bei uns erstmals in die Kinos kam, war er um über zwanzig Minuten gekürzt, der Rhythmus zerstört - ein Actionsammelsurium, in dem die Motorräder durch die Luft purzelten wie die Blechbüchsen in der Augsburger Puppenkiste. Auch nachts, am Lagerfeuer, finden die Jungs keine Ruhe, da prüfen sie ihre Ideale und die Möglichkeiten ihrer Show, den Ehrencode ihres Handelns, Wahrheit und Gerechtigkeit und den American way of life. Man muss Kompromisse machen, sagt einer von Billys Freunden. Du kannst die schönsten Ideale haben, aber wenn du stirbst, sterben deine Ideale mit dir. Nein, ist King Billy überzeugt, die Ideale sterben nicht, denn unser Code, das ist die Truppe.

Ed Harris ist der junge King Billy. Es ist seine erste große Rolle, er ist blond und schmal und blass, gleich zu Beginn wird er im Kampf verwundet und erholt sich nicht mehr recht davon. Er trägt die Krone mit Würde, aber ab und zu blitzt leichte Ironie bei ihm auf. Es ist, als wüsste er um die Kreativität des Anachronismus, und die modernste Philosophie scheint ihn darin zu bestätigen: "In drei Vierteln unserer Handlungen sind wir archaisch, wenige Menschen, noch weniger Gedanken sind zu ihrer kalendarischen Zeit durch und durch gegenwärtig." Anfangs sieht man King Billy morgens im Wald, einem taufrischen, verzauberten Wald, er hat gerade die Nacht mit seiner Königin verbracht, nun steht er in einem klaren See und reinigt sich mit ein paar Rutenhieben auf den Rücken.

Er zieht sich dann im Verlauf des Films immer mehr zurück, schwindet aus dem Zentrum der Aktion, sein Lächeln wird undurchschaubar und zombiehaft. Am Ende besteigt er sein Motorrad und fährt davon, er scheint zu schweben, entrückt, unterwegs in eine andere Dimension, eine andere Welt.

Knightriders erscheint in dieser Woche auf DVD und Bluray bei Kochfilms.