Mediaplayer Echt gut inszeniert

Mond oder Studio? Szene aus "Operation Avalanche".

(Foto: Zapruder Films)

"Operation Avalanche": ein Film über die Lust am Filmemachen und die Macht der filmischen Täuschung.

Von Annett Scheffel

Verschwörungstheorien gibt es so lange, wie es wütende, ängstliche Menschen gibt, und kaum eine Verschwörungstheorie hat sich so hartnäckig gehalten wie jene über die Mondlandung 1969, die angeblich nie stattgefunden hat, sondern von der CIA inszeniert wurde. Genau diese archetypische Story der Sechzigerjahre hat sich der amerikanische Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler Matt Johnson für seinen vogelwilden Mockumentary-Thriller "Operation Avalanche" vorgeknüpft. Ihm ist ein wunderbares Satirespiel mit Realität und Inszenierung gelungen, Film-Trickserei und historische Fakten greifen unaufhörlich ineinander über.

Erzählt wird die Geschichte zweier junger Ivy-League-Film-Nerds (Matt Johnson und Owen Williams, die sich selbst spielen), die von der CIA rekrutiert wurden, um die Gerüchte zu untersuchen, dass Stanley Kubrick ein Spion ist, und sich dann als Dokumentarfilmteam bei der Nasa einschleichen sollen, um einen sowjetischen Maulwurf zu enttarnen. Als sie bei einer Abhöraktion mitbekommen, dass das Apollo-Programm in Wirklichkeit weit entfernt davon ist, Astronauten zum Mond zu bringen, kommen sie auf die Idee, die Landung zu inszenieren. Johnson webt Archivaufnahmen einer berühmten Rede von John F. Kennedy in seinen Film ein, um den Zeitdruck zu erhöhen: Die Sechziger neigen sich dem Ende zu und mit ihnen der Zeitraum, den der ermordete Präsident für die Mondlandung beschworen hatte: "We choose to go to the Moon in this decade."

Matt Johnson hat sich in Independent-Kreisen einen Namen mit wild improvisierten Genre-Mischungen gemacht. 2013 drehte er "The Dirties", eine smarte Mockumentary über zwei Highschool-Außenseiter. Schon damals erwies sich: Johnson weiß, wie man mit Mini-Budget maximale Effekte erzielt. Noch viel deutlicher zeigt sich diese Gewieftheit in "Operation Avalanche". Im körnigen und verwackelten 16mm-Found-Footage-Stil flimmern die Bilder einer vermeintlichen Dokumentation an uns vorbei, gefilmt aus Verstecken hinter Vorhängen und Fenstergittern. Es wird viel und schnell gezoomt und nachfokussiert.

Man muss sich das wie eine Mischung aus Woody Allens "Zelig", "The Office" und dem Draufgängertum von "Jackass" in Vintage-Ästhetik vorstellen. Und immer wieder bindet Johnson Archivmaterial in seinen Bilderfluss ein - alte Wochenschau-Filme, Nasa-Videos, historische Aufnahmen amerikanischer Straßenzüge - bis die Überblendungen langsam im Schein der Authentizität verblassen. Unaufhörlich werden wahre Begebenheiten, Illusionen und Verschwörungstheorien ineinander gefaltet, sodass noch der aufmerksamste Zuschauer zwischendurch die Orientierung verlieren muss. "Operation Avalanche" ist ein Film über den Versuch, der Menschheit eine filmische Inszenierung als Wirklichkeit zu verkaufen, der wiederum "echte" Aufnahmen benutzt, um den Zuschauer von seiner eigenen inszenierten Wirklichkeit zu überzeugen. In einem Film aber, der in vielerlei Hinsicht nach dem Amateur-Projekt einer Meute bekloppter Hobbyfilmer aussieht (die schlecht sitzenden Anzüge, das übertriebene Schauspiel, die Alufolie am Studiomodell der Mondsonde), sind solche Gedankenschleifen und Meta-Ebenen noch viel wundersamer und verwirrender, als es sich in einem Satz beschreiben ließe.

Am Ende ist "Operation Avalache" aber vor allem ein Film über die große Lust am Filmemachen, an der Macht der filmischen Täuschung. In der besten Szene besuchen Johnson und Williams dank ausgeklügelter Montage und ein paar digitaler Tricksereien Stanley Kubrick am Set von "2001" und schauen sich von ihm die Technik der Frontprojektion ab. Bald darauf verwandelt sich der anfängliche Enthusiasmus des Filmteams zunehmend in Paranoia. Die Täuschungen fordern ihren Preis. Hier versteckt der Film noch eine andere Wahrheit, die Filmemacher von jeher in Euphorie versetzt hat und die auch in der Realität schwer auf der amerikanischen Seele liegt: Mit einer guten Inszenierung kann man den Menschen alles verkaufen.

Operation Avalanche ist auf DVD und Blu-ray erschienen (ab 12,99 Euro) und als Video on Demand verfügbar (ab 3,99 Euro).