Mediaplayer Der Junge mit der Harmonika

Give Peace a Chance? Zuvor gewann John Lennon erst einmal Kriege.

(Foto: Koch Films)

John Lennon steht in "How I Won the War" auf völlig verlorenem Posten.

Von Bernd Graff

Wenn man sich diese schwärzer als schwarze Kriegssatire "How I Won the War" /"Wie ich den Krieg gewann" anschauen möchte, dann sollte man sich vorab nicht von PR-Prosa blenden lassen. Sie hebt darauf ab, dass dieser Film von Regisseur und Produzent Richard Lester den Beatles-Kopf John Lennon in seiner einzigen nicht-musikalischen Film-Hauptrolle zeigt. Das stimmt natürlich. Es zeugt dann aber schon von einiger Selbstironie und der britbewährten Komikabsurdität des Films, dass Lennon, damals ein Superstar der beginnenden Pop-Ära und sowieso ein Mediendarling, hier mit folgendem Dialog eingeführt wird: Einige Reservisten, gestandene Zivilisten im martialischen rite de passage des Zweiten Weltkriegs, stehen im Frühjahr 1942 unmotiviert auf einem englischen Exerzierplatz. Einer von ihnen fragt den völlig unbedarften Gripweed (John Lennon): "Sind Sie verheiratet?" Er antwortet: "Nein, ich spiele Harmonika."

Lennons schauspielerische Leistung übertrifft dann alle Erwartungen. Er bewegt sich souverän auf dem musikbefreiten Terrain, ist anders als im bekannteren Lester-Film "A Hard Day's Night" (1964) nicht einmal ansatzweise als Beatle, nicht einmal als Musiker besetzt und er gibt hier auch keinen Statisten im Hintergrund ab. Nein, er spielt einen aktiven Part in der (fiktiven) Spezial-Einheit "3rd Troop, 4th Musketeers" der "Royal Fusiliers". Allesamt Unglücksraben, dem Untergang geweiht: Zum Miteinander auf Zeit hat man sie gezwungen, doch zu Brüdern der Verweigerung werden sie angesichts des grandiosen Irrsinns, der in Gestalt des komplett unfähigen Leutnant Earnest Goodbody mit seinen lebensbedrohlichen Befehlseingebungen über sie gekommen ist.

Goodbody wird gespielt von dem hier noch spindeldürren, auch sonst tadellosen Bühnenschauspieler Michael Crawford. Noch in der Rolle als Idiot ist er ein Vollblutprofi. Sein Trupp wird in Nordafrika und Deutschland auf heikle Missionen geschickt, immer hinter die feindlichen Linien und immer mit absurden Einsatzzielen. In Nordafrika wird der Bau eines gut gewässerten Cricket-Spielfelds in der von Deutschen besetzten Wüste geordert, dann soll er, Jahre später, verhindern, dass die Deutschen die letzte intakte Rheinbrücke bei Remagen sprengen, bevor die Alliierten einmarschieren können.

Alle Missionen sind natürlich völlig aussichtslos, doch irgendwie reüssiert der unfähige Leutnant immer - trotz der herben Verluste in den eigenen Reihen. Der ganze Plot, das ganze Setting sind also geradezu schreiend absurd. Und genau so, im Geiste des in den Sechzigerjahren boomenden "absurden Theaters" von Samuel Beckett und Eugène Ionesco, hat Lester denn auch diese Kriegsfarce inszeniert.

Darum ist es kein Wunder, dass zu seinem Cast neben dem ausgewiesenen Shakespeare-Darsteller Michael Hordern auch ein so profilierter Beckett-Schauspieler wie Jack MacGowran gehört, der unzählige Male den Lucky in "Warten auf Godot" gespielt hat. Lester gibt ihm hier Szenen, die zwischen clownesk und gleich ganz irre changieren, unterbrochen von monty-pythonhaftem Verbalwahnwitz: "Gripweed, schwitzen Ihre Füße noch? - Nein, Sir! - Das sollten sie aber, wenn sie inspiziert werden." Mit herkömmlichem Militär- und Kinokriegsepos hat das wenig zu tun, formal eher mit Kammerspiel und Psychodrama. Es zeigt Tableaus des Absurden.

Tatsächlich marschieren die Gefallenen aus Goodbodys Fähnlein denn auch weiter mit, man erkennt sie an den Leuchtfarben-Uniformen und passend geschminkten Gesichtern, die sie nun endgültig wie Plastikspielzeug-Soldaten wirken lassen. Die Spannung zwischen den Granatfutter-Rekruten und ihrem Himmelfahrtskommandanten sorgt jedoch dafür, dass die Truppe immer offener gegen ihn rebelliert. Der Film setzt damit ein, dass sie Goodbody im Gummiboot den Rhein runter und dem Feind entgegenschubsen. Doch der kommt durch, wie gesagt: Im Krieg gewinnen ja oft auch die Falschen.

Die niedersächsische Stadt Verden an der Aller, Slogan: "Verden verblüfft", in der Lester teilweise drehte, hat Lennon darum übrigens 2016 ein gar nicht mal so unhübsches Denkmal gesetzt.

How I Won the War, GB 1967 - Koch Media, 12,99 Euro (DVD), 16,99 Euro (Blu-ray).