Süddeutsche Zeitung

McDonald's und Asterix:Die spinnen, die Amerikaner

Die Franzosen sind empört über den Missbrauch eines Nationalepos: Ausgerechnet die amerikanische Fastfoodkette McDonald's, Symbol für den Niedergang der heimischen Gourmet-Küche, wirbt mit den unbesiegbaren Galliern Asterix und Obelix.

Das Gelage scheint so gelungen wie immer zu sein, wenn Asterix und Obelix von einem erfolgreichen Abenteuer heimkommen. Die beiden Helden und ihre gallischen Freunde schmausen, trinken, schwadronieren und feiern. Der Barde Troubadix ist wie üblich gefesselt und geknebelt, das Hündchen Idefix leistet ihm Gesellschaft, und über allem wölbt sich ein friedlicher Sternenhimmel, der nicht die Absicht hat, den Galliern auf den Kopf zu fallen.

Ende gut, alles gut? Oh nein. Denn diesmal findet das Gelage nicht auf dem Festplatz des gallischen Dorfes statt - sondern bei McDonald's.

Das Bankett von Asterix und Obelix ist Teil einer neuen Werbekampagne der Hamburger-Kette in Frankreich. "Quelle horreur", "wie grauenhaft", schreit da die gallische Seele auf. Aus den Blogs und Internetforen schäumt Entrüstung. "Asterix, der für McDonald's wirbt - ich glaube, einen Albtraum zu erleben", schreibt etwa ein Blogger. "Asterix widersteht den amerikanischen Eroberern nicht", klagt ein anderer. Wieder andere flüchten sich in Sarkasmus und spotten, der Druide Miraculix (die Franzosen nennen ihn Panoramix) habe seinen Zaubertrank gegen Cola eingetauscht. Bald werde es Hamburger namens McWildschwein geben.

"Wird der unbesiegbare kleine Gallier, der den Römern widerstanden hat, nun von den Amerikanern skalpiert?", fragt die Zeitung Figaro auf Seite eins. Der Aufruhr ist verständlich. Denn in Frankreich sind die Asterix-Geschichten nicht nur überaus erfolgreiche Comics, sondern auch eine Art Nationalepos. Viele Franzosen erkennen sich wieder in den rebellischen Galliern, die mit Mut, Schläue, Humor und ein bisschen Zauberei ihre Unabhängigkeit und ihren Individualismus verteidigen. So wie das gallische Dorf gegenüber Rom besteht, so würde Frankreich gerne dem globalen Ansturm der US-Kultur trotzen.

Gerade McDonald's galt im Land der Gourmets lange als ein Symbol des fremden Imperiums, das von eingefleischten Franzosen wie dem Bauern-Rebellen José Bové teils mit Gewalt bekämpft wurde. Mittlerweile wankt der Widerstand beträchtlich. McDonald's hat Frankreich mit mehr als 1100 Restaurants überzogen und wächst von Jahr zu Jahr. Puristen können sich vielleicht damit trösten, dass wenigstens der Europa-Boss des Hamburger-Imperiums Franzose ist.

McDonald's France versichert nun, die Kampagne wolle die gallische Seele nicht verletzen. Sie demonstriere, im Gegenteil, den "tiefsten Respekt", den man für Asterix empfinde. Auch der Verlag Editions Albert René, dem die Rechte an Asterix gehören, rechtfertigt sich. Man habe der Werbung zugestimmt, weil sie unter dem guten Motto laufe: "Kommt, wie ihr seid." Zudem habe Albert Uderzo eingewilligt, der Zeichner und Mitautor der Asterixhefte.

Vom französischen Staatsfernsehen zur Rede gestellt, beteuerte der Verlag, man gehe sorgfältig mit den Rechten um: "Wir stimmen nicht zu, dass die Gallier auf Toilettenpapier erscheinen." Und man habe es immerhin abgelehnt, Obelix für Coca-Cola light werben zu lassen.

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SZ vom 21.08.2010/aho
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