Maybrit Illners Talk über die Telekom "Sie hatte keine andere Chance"

Maybrit Illner debattierte in ihrer Talk-Show über die Spitzelaffäre der Telekom, obwohl sie mit Telekom-Chef Obermann liiert ist. ZDF-Chefredakteur Brender fand die Sendung aus "demokratiehygienischen Gründen" gut.

Interview: Christopher Keil

Donnerstagabend ging es in der politischen ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" vordergründig um die Spitzelaffäre bei der Telekom. Vor allem ging es darum, wie Illner, 43, die mit Telekom-Chef René Obermann, 45, privat ein Paar bildet, sich verhalten würde.

"Hoch professionell" findet ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, 59. Tatsächlich fiel in der Expertenrunde aus Journalisten, Politikern, Detektiven und Wirtschaftsvertretern nicht einmal der Name Obermann. Illner, die gewöhnlich souverän leitet und eine gute Moderatorin ist, schien nur eines im Sinn zu haben: Es schnell hinter sich zu bringen. So sah die Sendung aus, so war die Quote (8,8 Prozent).

SZ: Herr Brender, hätten Sie Maybrit Illner nicht die Last abnehmen müssen, eine Sendung über die Spitzelaffäre bei der Telekom zu moderieren?

Nikolaus Brender: Das wollte ich auch. Ich habe mit ihr und der Redaktion intensiv über die schwierige Situation diskutiert. Wir haben das Für und Wider einer Moderation Maybrit Illners lange abgewogen. Ich selbst habe auch über Alternativen für die Moderation inklusive meiner eigenen Person nachgedacht. Maybrit Illner hatte von Anfang an eine sehr klare Haltung: Ich stehe das durch. Und das hat sie am Donnerstagabend mit hoher Professionalität geschafft.

SZ: Aber es ist doch eine Illusion, Privates und Berufliches in dieser Zuspitzung trennen zu können. Am Donnerstagabend fiel in der Runde kein einziges Mal der Name Obermann, obwohl René Obermann gerade als Vorstandsvorsitzender die bei der Telekom entscheidende Person ist. Eine absurde Situation.

Brender: In einer solchen Lage ist jede Entscheidung falsch. Das war klar, als ich den letzten Tagen von Journalisten mit Fragen überfallen wurde, die eher auf die Konstruktion eines Beziehungsdramas aus waren. Darauf war der Boulevard offensichtlich ganz scharf. Wir mussten abwägen: Was interessiert journalistisch, was die Öffentlichkeit? In der Öffentlichkeit ging es um die Frage, ob Maybrit Illner ein Gespräch über die Telekom führen kann oder nicht. Sie hatte letztlich keine andere Chance.

SZ: Auch den Gästen war nicht immer wohl. Vor lauter Rücksicht formulierten sie oft nicht präzise. Als die Sprache auf Obermanns Fehler kam, schwieg Illner und verzichtete auf Nachfragen.

Brender: Natürlich wäre der leichtere Weg gewesen, sich zu drücken, das Thema Telekom einfach wegzulassen. Dieser Weg hätte aber auch eine große Debatte nach sich gezogen: über Grenzen, über das, was Maybrit Illner noch moderieren kann. Nein, ich wollte unbedingt das Thema aus demokratiehygienischen Gründen im ZDF-Programm haben.

SZ: Was haben Sie gelernt?

Brender: Wir lernen ständig dazu.