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Streit am Gorki:Stabiles Machtungleichgewicht

Maxim Gorki Theater - Shermin Langhoff

Shermin Langhoff, Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, am Rande einer Pressekonferenz im November 2013.

(Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Die Dramaturgin des Berliner Maxim-Gorki Theaters, Johanna Höhmann, wirft Intendantin Shermin Langhoff Machtmissbrauch vor. Und erwirkt einen Vergleich.

Von Peter Laudenbach

Die Klage einer Dramaturgin des Berliner Maxim-Gorki-Theaters endete am Mittwoch mit einem Vergleich. Sie hatte sich an das Bühnenschiedsgericht gewandt, um die Verlängerung ihres Arbeitsverhältnisses zu erzwingen. Die seit 2018 am Maxim-Gorki-Theater mit einem zeitlich befristeten Arbeitsvertrag tätige Dramaturgin Johanna Höhmann verlässt die Bühne mit Ende der laufenden Spielzeit zum 31. Juli und erhält eine Abfindung von 15 000 Euro. Befristete Arbeitsverträge sind am Theater für Schauspieler, Regisseure und Dramaturgen durchaus üblich. Ihre Nichtverlängerung ist nicht schön für die Betroffenen, aber nicht zwangsläufig ein Skandal. Allerdings ist die verbreitete - und im Interesse der künstlerischen Arbeit und Flexibilität oft sinnvolle - Praxis, Theater-Beschäftigte nur mit zeitlich befristeten Verträgen an die Theater zu binden, in der Debatte um fairere Arbeitsbedingungen an den Bühnen umstritten.

Sie erhöhen die Abhängigkeit der Beschäftigten und die Entscheidungsmacht der Intendanten und tragen so zum Machtungleichgewicht innerhalb der Häuser bei. Größere Aufmerksamkeit hatte die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung am Berliner Bühnenschiedsgericht deshalb erregt, weil die Klägerin der Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, Shermin Langhoff, vorgeworfen hatte, von dieser gemobbt und in ihrer Elternzeit als Frau diskriminiert worden zu sein. Die Dramaturgin hatte geltend gemacht, die Nichtverlängerung ihres Vertrags verstoße gegen das Maßregelungsverbot und hänge mit einem Beschwerdebrief mehrerer Beschäftigter gegen die Intendantin zusammen. Ein Sprecher des Theaters hatte die Vorwürfe in der vergangenen Woche zurückgewiesen. Im Vorfeld des Gerichtstermins hatte ein Artikel im Spiegel von einem "Klima der Angst" am Maxim-Gorki-Theater und Praktiken des Machtmissbrauchs seitens der Intendantin Shermin Langhoff berichtet.

Unerwünschte Nähe

Selbst mit "körperlichen Übergriffen" soll Langhoff ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter drangsaliert haben. Als einziges Beispiel dieser körperlichen Übergriffe nennt die Spiegel-Reporterin allerdings, dass die Intendantin Mitarbeiter ungefragt umarmt haben und nicht immer einen ausreichend großen Abstand zu ihnen eingehalten haben soll. Bekannt ist dagegen schon länger, dass sich Langhoff nicht immer im Griff hatte, zu einem autoritären Führungsstil neigt und den Druck, unter dem sie selbst steht, gelegentlich etwas zu ungefiltert an ihre Kolleginnen und Kollegen weitergegeben hat. Auch soll sie gegenüber ihren Mitarbeitern in der Vergangenheit öfter laut geworden sein (SZ, 23. April). Schon vor mehr als einem Jahr wurde nach Beschwerden von Gorki-Mitarbeitern ein Mediationsprozess eingeleitet.

Um Fälle von Machtmissbrauch und cholerischen Übergriffen am Maxim-Gorki-Theater künftig auszuschließen, kam es infolge des Mediationsprozesses zu "organisatorischen und Strukturveränderungen", wie ein Sprecher der Berliner Senatskulturverwaltung mitteilt. Die Ende vergangenen Jahres erfolgte Verlängerung von Langhoffs Intendantenvertrag hatte die Berliner Kulturverwaltung an die Bedingung geknüpft, dass sie sich einem Coaching unterzieht und ihren Führungsstil deutlich ändert.

© SZ/mau
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