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Max von Sydow:Kämpfer gegen Tod und Teufel

Sydow im Kinofilm „Extrem laut & unglaublich nah“ (2011).

(Foto: imago stock&people)

Der große Theater- und Filmschauspieler Max von Sydow wird neunzig Jahre alt.

Wer bist du, fragt der junge Ritter verdutzt, als plötzlich dieses fremde Wesen vor ihm steht am steinigen Strand - er ist eben zurück von einem Kreuzzug, auf dem er den Tod immer wieder an seiner Seite spürte. Nun steht ihm also dieser Tod gegenüber, ganz in Schwarz mit kalkweißem Gesicht. Willst du mich holen? Der Ritter hat blondes Haar, kantige Gesichtszüge, wache Augen. Kurz entschlossen macht er dem Tod ein Angebot: Ich weiß, dass du gern Schach spielst ... Ein selbstsicheres, frohgemutes, fast freches Grinsen huscht über sein Gesicht.

Es ist eine legendäre Szene der Kinogeschichte, der Beginn von "Das siebente Siegel", 1957, die erste filmische Zusammenarbeit von Max von Sydow und Ingmar Bergman. Viele weitere werden folgen in den kommenden Jahrzehnten, alle möglichen Figuren wird Ingmar Bergman seinem Akteur zuteilen, Maler und Musiker, Getriebene und Zerrissene, Grübler und Traumwandler, Menschen, die sich selbst erforschen und quälen. Max von Sydow, der am Theater anfing in den Vierzigern, hatte unbedingt schon in Bergmans frühem Film "Gefängnis" dabei sein wollen, aber als er beim Meister anrief, wies dieser ihn schroff zurück. Viele Jahre später, als Bergman ihn gern als Bischof in seinem großen Erinnerungsstück "Fanny und Alexander" gehabt hätte, soll es Schwierigkeiten beim Aushandeln der Verträge gegeben haben.

Er hatte auch Auftritte in "Game of Thrones" und "Star Wars"

Eine gewisse Zufälligkeit bestimmt die Karriere von Max von Sydow, und oft scheinen sich die internationalen Produzenten und Regisseure an seiner Präsenz in Bergmans Filmen orientiert zu haben. Ein amerikanischer Bergman-Typus war der Father Merrin, der "Exorzist" im gleichnamigen Film von William Friedkin, ein Priester, den der Job des Teufelaustreibens selbst ganz ominös gemacht hat - eine Figur, die gewissermaßen als Silhouette angelegt ist. Auch die erste Rolle im amerikanischen Kino hatte etwas Phantomhaftes, Max von Sydow spielte, nach langem Zögern, Jesus in "Die größte Geschichte aller Zeiten", von George Stevens. "Da war kein Leben in den Figuren", monierte er später enttäuscht, "sie waren wie Maschinen, verführt von ihrer eigenen Bedeutung."

Regisseure aus aller Welt wollten Max von Sydow in ihren Filmen, Martin Scorsese und Steven Spielberg, Sydney Pollack und Wim Wenders, David Lynch und Dario Argento, Ridley Scott und John Huston, und 1988 hat er sogar selbst Regie geführt, "Katinka", nach Herman Bangs Roman. Er war Hamsun und Sigmund Freud und der Steppenwolf Harry Haller, und Blofeld, der ewige Gegenspieler von James Bond, hat emblematische Figuren verkörpert in "Game of Thrones" und "Star Wars".

Max von Sydow ist der große Solitär des Kinos, erratisch, dominant, undurchschaubar, ein Einzelgänger und manchmal einzelgängerisch gefährlich. Am Mittwoch wird er neunzig Jahre alt. Und was Ingmar Bergman angeht, wird er nicht müde zu betonen, dass der wirklich Sinn hatte für Humor. "Es war wichtig für ihn, dass wir alle Spaß hatten am Drehort."

© SZ vom 10.04.2019

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