Wie fühlt es sich an, in ein Land zurückzukehren, in dem einst anfing, was eine richtig große dichterische Karriere hätte werden können? In ein Land, das aber während der Zeit des Exils Millionen Juden ermordet hat? Juden, wie Mascha Kaléko selbst. Kann man weitermachen, wo man aufgehört hat? Will man das überhaupt? 1956 reist Mascha Kaléko, eine der bedeutendsten Exillyrikerinnen der Literaturgeschichte, mit dem Schiff von New York nach Berlin. 1933 war ihr „Lyrisches Stenogrammheft“ bei Rowohlt erschienen, ein Erfolg, 1938 hatte sie Berlin mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn verlassen. 1956 verbringt sie in Deutschland ein aufregendes, ein aufreibendes Jahr, an dessen Ende eine bittere Erkenntnis steht: Hier wird sie nicht mehr heimisch werden.
Exilliteratur„Ich habe manchmal Heimweh, ich weiß bloß nicht, wonach ...“
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Die Dichterin Mascha Kaléko reiste 1956 nach Deutschland, nach Jahren im Exil. Aber ihre Leser, die Deutschen? Waren mit sich beschäftigt. Der Journalist Volker Weidermann erinnert an dieses schicksalhafte Jahr − und kommt seiner Heldin viel zu nah.
Von Christiane Lutz
