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"Mary Poppins' Rückkehr" im Kino:Süßes für bittere Zeiten

null; Film Mary Poppins

Ein bisschen zu elegant und wundervoll verschlagen: Emily Blunt als Mary.

(Foto: Jay Maidment)
  • Der erste "Mary Poppins"-Film mit Julie Andrews stammt aus dem Jahr 1964.
  • Die Fortsetzung zeigt die Kinderfiguren von einst, Michael und Jane, als Erwachsene, die im London der Dreißigerjahre durch schwere Zeiten gehen.
  • Emily Blunt spielt in "Mary Poppins' Rückkehr" die Hauptrolle des titelgebenden Kindermädchens. Wie im Klassiker muss sie die Welt der Banks-Kinder in Ordnung bringen.

Mary Poppins kommt nur, wenn sie gebraucht wird. In den Büchern von P. L. Travers ist das öfter der Fall, im Kino aber ist sie nur ein einziges Mal in den Kirschbaumweg 17 geschwebt, so um 1910 herum. Mutter Banks war damals Suffragette, ihr Mann bei der Bank. George Banks muss weicher werden, dafür sorgt Mary. Inzwischen ist die Depression über London hereingebrochen, und die Banks-Kinder sind auf sich gestellt; nur sind sie keine Kinder mehr. So liegen die Dinge am Anfang von "Mary Poppins' Rückkehr": Michael (Ben Whishaw) ist ein junger Witwer mit drei kleinen Kindern, seine Schwester Jane (Emily Mortimer) engagiert sich in der Arbeiterbewegung. Michael ist Künstler und lebt im Haus der längst verstorbenen Eltern. Aber er hat die Hypothek nicht bezahlt, und wenn er bis Freitag kein Geld auftreibt, wird das Haus zwangsgeräumt.

Die zauberhafteste Nanny von allen hat gründliche Arbeit geleistet, sie hat zwei Träumer erzogen, die Bosheit und Härte wenig entgegenzusetzen haben. Der Bösewicht, den sie nicht einmal als solchen erkennen, ist der amtierende Bankdirektor (Colin Firth), der sich das Haus im Kirschbaumweg unter den Nagel reißen will. Alles könnte schrecklich enden. Aber wenn Mary Poppins wirklich gebraucht wird, dann kommt sie auch.

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Der erste "Mary Poppins"-Film ist 54 Jahre alt, ein echter Klassiker. Die Mischung aus Realfilm und Zeichentrick, die P. L. Travers so gar nicht gefallen hat, erwies sich als unzerstörbar über die Jahrzehnte. Es erfordert natürlich trotzdem einigen Mut, eine solche Geschichte fortzusetzen. "Mary Poppins" gehört zu den Kronjuwelen im Disney-Archiv, und seit 1965 gab es immer wieder Versuche, diesen Erfolg fortzusetzen. Solange P. L. Travers lebte, war daran aber nicht zu denken. Jetzt, wo ihre Erben das ermöglichen, ist das immer noch schwierig. Nicht wegen der künstlichen Alt-Londoner Ästhetik, die hat Rob Marshall wenig verändert, auch wenn das mühselig war. Es gibt sehr wenig computergenerierte Bilder in diesem Film, Marshall ließt tatsächlich von Hand zeichnen und filmte die Schauspieler, wie sie an Seilen durch den Raum schweben.

Aber die Musik-Nummern sind keine Gassenhauer. Obwohl die Entsprechung zum Kaminkehrer Bert, den Lampenanzünder Jack, Lin-Manuel Miranda spielt - Miranda ist in den USA mit dem Broadway-Musical "Hamilton" zum Superstar geworden, in dem er spielte, sang und das er nebenher auch geschrieben hatte. Da geht Rob Marshall auf Nummer sicher: "Mary Poppins" ist eigentlich nicht mehr als eine Nummernrevue, die von einem idealistischen Rahmen zusammengehalten wird - der Rahmen der Erzählung ist die Rettung der Familie Banks, das Ringen um Träume und Emotionen, die Teil der Erziehung der Kinder werden soll.

"Mary Poppins' Rückkehr" macht das nun alles ganz genauso, der Rahmen ist jetzt die finanzielle Krise, und wieder muss Mary die Träume und die Gefühle davor bewahren, von materiellen Überlegungen hinweggespült zu werden. Was die Musiknummern angeht: Jede hat ihre Entsprechung. Onkel Alberts Auftritt von 1964 wird in einem Besuch bei Cousine Topsy gespiegelt, statt der Kamine kommen nun Straßenlampen zum Einsatz, man steigt in Porzellandekor statt, wie früher, in eine Zeichnung ein. Vielleicht sind die neuen Songs besser, als man beim ersten Hören meint - weil die alten jeder kennt. Jedes Kind kann "Chim-chimney chim-chimney chim chim cheree" summen. Die noch größere Herausforderung als die Musik ist aber eigentlich die Besetzung der "superkalifragilistisch expiallegorischen" Mary selbst. Und das ist wider Erwarten gut gegangen. Emily Blunt macht das großartig.

Emily Blunt ist perfekt für die Rolly der Mary Poppins

Sie ist ein wenig eitel und zickig und viel zu elegant für ein Kindermädchen, genau so, wie Mary Poppins sein muss. Aber sie ist doch ein bisschen anders als Julie Andrews, und daran muss es liegen, dass sie die perfekte Frau für diese Rolle ist. Blunts Mary wirkt ein wenig verschlagen, der Typ Gouvernante, der Väter zur Not einfach überlistet. Sie habe sich für eine Mischung aus Prinzessin Margaret und der frechen Journalistin aus "Sein Mädchen für besondere Fälle" von Howard Hawks entschieden, um Mary Poppins ihre eigene Note zu geben, sagt Emily Blunt.

Julie Andrews kommt im neuen Film nicht vor, aber Dick Van Dyke hat noch einmal einen Auftritt, nicht als der Kaminkehrer Bert, den er im alten Film spielte, sondern als alter Bankdirektor, die Rollen von dessen Vater hat er damals schon übernommen. Van Dyke ist inzwischen 93 Jahre alt - allein dieser Auftritt lässt einem das Herz aufgehen. Und dann ist da noch Meryl Streep als verrückte Cousine Topsy. Als Rob Marshall sie wegen der Rolle anrief, sagt er, habe sie geantwortet, diese "fragilen Zeiten" seien dafür genau richtig. Da ist was dran: Mary Poppins mag süßlich sein, aber wir leben in einer herben Ära, und "Mary Poppins" war immer schon Zucker gegen Bitterkeit.

P. L. Travers hat sich die magische Gouvernante Mary Poppins nicht ausgedacht, weil es ihr Spaß gemacht hat; sie tat es, weil sie selbst Mary Poppins brauchte. Sie verarbeitete in diesem Kinderbuch die Erinnerung an den eigenen Vater, der in einer Bank arbeitete und trank, weil er seine Träumerseele in sich begraben musste, und der starb, als sie sieben Jahre alt war. P. L. Travers hätte den neuen Michael bestimmt gemocht - sie hatte ein Herz für eine gewisse Neigung zur Funktionsuntüchtigkeit.

Der Zauber von Mary Poppins ist, dass sie schon irgendeine Ordnung herstellen wird, wenn die Dinge schiefgelaufen sind; es wird unter Umständen nicht die konventionelle Ordnung sein, aber jedenfalls eine Grundlage, mit der man weiterleben kann. "Mary Poppins' Rückkehr" hat das verinnerlicht - viel mehr kann man nicht verlangen. Es gibt, in diesen "fragilen Zeiten", ganz viel Sehnsucht nach einer Mary Poppins, die der Welt den Kopf zurechtrückt.

Mary Poppins Returns, USA 2018 - Regie: Rob Marshall. Buch: Marshall, David Magee, John DeLuca. Kamera: Dion Beebe. Mit: Emily Blunt, Lin-Manuel Miranda, Ben Whishaw, Emily Mortimer, Dick Van Dyke, Colin Firth, Meryl Streep. Disney, 130 Min.

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