Mark Hamill zum 70. Geburtstag:Ein Clown du musst sein

Mark Hamill

Mark Hamill begann seine Karriere in einer Schultheaterversion der "Peanuts" - er spielte Snoopy.

(Foto: Taylor Jewell/AP)

Mark Hamill alias Luke Skywalker aus "Star Wars" wird 70. Ein Geburtstagsgruß an den ewigen Jedi-Ritter.

Von David Steinitz

Auch Jedi-Ritter bekommen Probleme mit der Prostata, wenn sie älter werden. Deshalb lehnte Mark Hamill entsetzt den Kaffee ab, den man ihm beim Treffen in Berlin anbot. "Auf keinen Fall! Ich musste letzte Nacht ungefähr zehn Mal aufs Klo. Das passiert, wenn man ein alter Sack wird. Dann können Sie kaum noch eine Nacht vernünftig durchschlafen, und aufs Klo müssen Sie auch ständig. Deshalb trinke ich jetzt lieber keinen Kaffee."

Das war vor vier Jahren, als er 66 Jahre alt war, und wenn er am Samstag nun den runden, 70. Geburtstag feiert, wünscht man ihm, in den Worten des weisen Meister Yoda: Möglichst wenig pinkeln du musst. Und überhaupt: von Herzen alles Gute. Denn es gibt in der an Idioten wahrlich nicht armen Filmindustrie wenige Menschen, die so sympathisch und lustig und herzlich sind wie Mark Hamill.

Lange bevor er als Luke Skywalker eins der berühmtesten Gesichter in der Geschichte des Kinos wurde, begann er seine Karriere als Schauspieler in einer Schultheaterversion der "Peanuts" - und zwar als Snoopy. Von diesem Zeitpunkt an träumte er von einem Leben als "professioneller Clown". Was sein Vater - Captain bei der Navy, strammer Republikaner, Freund kurzgeschorener Haare - überhaupt nicht witzig fand.

"Sogar der Roboter C-3PO hatte witzigere Sätze als ich im Drehbuch stehen."

Mark Hamill wiederum fand es dann überhaupt nicht witzig, dass ausgerechnet er, der sich als passionierter Clown verstand, und der sich allem Clownshass seines Vaters erfolgreich widersetzt hatte, die unlustigste Rolle in "Krieg der Sterne" bekam: "Sogar der Roboter C-3PO hatte witzigere Sätze als ich im Drehbuch stehen."

Aber im Hollywood der Sechziger- und Siebzigerjahre, wo die Scorseses und De Niros das amerikanische Triebleben erforschten und die Easy Riders unrasiert durchs Land donnerten, war der junge Mark Hamill mit seinem hübschen, stoppelfreien Bubigesicht nicht als Rampensau vermittelbar. Sondern nur als Prototyp wohlgesitteter Schwiegersohn. Genau das suchte der "Star Wars"-Erfinder George Lucas. "Er wollte einen großäugigen Farmer-Jungen, der keine Ahnung von der Welt hat - also hat er mich als Luke Skywalker besetzt."

Die Sache sei ihm damals, als "Star Wars" noch kein Popkulturallgemeingut war, reichlich merkwürdig vorgekommen, als er in seiner kleinen Einzimmerwohnung in Malibu das Drehbuch las, berichtet Hamill. "Die Rollennamen waren noch nicht fertig, die hat Lucas noch mehrmals geändert. Auf der ersten Seite, die ich aufschlug, stand: "Dies sind die Abenteuer des Luke Starkiller, so wie sie im Tagebuch der Whills geschrieben stehen. Saga Nummer 1: Der Krieg der Sterne. Und ich dachte mir nur: Saga Nummer 1? Der Typ ist doch total irre!".

Harrison Ford, Carrie Fishe

Die "Star Wars"-Truppe 1978 mit Mark Hamill rechts als Luke Skywalker.

(Foto: George Brich/AP)

Es stellte sich heraus, dass George Lucas, der sich beim Verfassen des Drehbuchs in eine solche Manie hineingeschrieben haben soll, dass er während des Tippens parallel wie wild mit einer Schere in seinen Haaren herumschnippelte, mit diesem Irrsinn doch einen Nerv traf. Auf "Krieg der Sterne" folgte "Das Imperium schlägt zurück", danach "Die Rückkehr der Jedi-Ritter". Das moderne Blockbusterkino war geboren. Als der dritte Film ins Kino kam, war der neue Superstar Mark Hamill erst 31 Jahre alt - und doch für den Rest seines Lebens dazu verdammt, Luke Skywalker zu sein.

Nicht, dass er keine anderen Rollen mehr bekommen hätte, im Gegenteil, er war ein geschätzter Schauspieler. Er drehte zum Beispiel mit dem großen Sam Fuller den Kriegsfilm "The Big Red One", als Scharfschütze mit Gewissensbissen - nur gemerkt hat sich diese Auftritte fast niemand im Zusammenhang mit seinem Namen.

Deshalb gestaltete sich die erste Post-"Star Wars"-Phase vor allem so, dass er als Sprecher für Trickfilme arbeitete (er kann einen famosen "Joker") - und ansonsten auf Fanevents auftrat.

Den wichtigsten Rat fürs Älterwerden, bekam er am "Krieg der Sterne"-Set von Sir Alec Guinness

Zum Beispiel 2013 in Essen bei der "Star Wars Celebration"-Messe. Dort erzählte er auf der Bühne Anekdoten von den Dreharbeiten, am liebsten über den menschenscheuen Stubenhocker George Lucas. "Wenn es möglich gewesen wäre", sagte er mit seinem schelmischen Lächeln, "den Film ohne Schauspieler zu drehen - George hätte genau das getan". Anschließend schrieb er am Ende einer sehr langen Schlange, die sich übers Messegelände wand, zwei Tage lang Autogramme für lichtschwertschwingende Fans. Wohlgemerkt für 120 Dollar das Stück.

Weshalb es vermutlich nicht gelogen ist, wenn er immer sagt, dass er es nie bereut hat, in "Star Wars" mitzuspielen. Aber froh war er vermutlich trotzdem, dass man ihn in den letzten Jahren nochmal aus der Jedi-Rente geholt hat für die "Star Wars"-Fortsetzungen, mit dem größten Auftritt in "Die letzten Jedi", damit er nochmal ans Set durfte und nicht mehr nur als sein eigener Nachlassverwalter auftrat.

Womit wir wieder beim Alter wären. Als Mark Hamill "Krieg der Sterne" drehte, war er ein junger Mann am Beginn seines Lebens, und den wichtigsten Rat, sagt er, habe er damals von Sir Alec Guinness bekommen. Der spielte den weisen Obi-Wan Kenobi und war ungefähr so alt, wie es Hamill jetzt wird. "Von Guinness habe ich gelernt, dass man sich auch als alter Mann, der ich jetzt bin, etwas Kindliches bewahren sollte. Das macht einen nicht nur zu einem besseren Schauspieler, sondern zu einem besseren Menschen."

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