Der Schauspieler Mario Adorf ist tot. Er starb gestern im Alter von 95 Jahren in Paris, wie sein langjähriger Manager Michael Stark der SZ bestätigte. Zunächst hatten der Spiegel und die Bild berichtet.
Adorf habe Stark vor Kurzem noch wissen lassen, „dass er sich bei seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue bedankt“, heißt es in einer Mitteilung des Managements. Der Schauspieler habe es zeitlebens als Privileg empfunden, in seinen über 200 Film- und Fernsehrollen unterschiedliche Charaktere verkörpern zu können, die von seinen Fans liebevoll aufgenommen worden seien. „Seine Kunst war es, Schurken, Mafiosi und hinterhältige Patriarchen so menschlich darzustellen, dass das Publikum sich oft auf die Seite des ‚Bösen‘ schlug“, ist in dem Statement zu lesen.
Adorf galt als einer der bedeutendsten und beliebtesten Schauspieler Deutschlands, auf Theaterbühnen genau wie im Film. Er spielte in „Der große Bellheim“, und „Winnetou“ mit, ebenso wie in der „Blechtrommel“ und „Kir Royal“. Auch als Sprecher und Autor machte er sich einen Namen. Immer wieder arbeitete der Schauspieler mit renommierten deutschen und internationalen Regisseuren zusammen, darunter Rainer Werner Fassbinder, Sam Peckinpah oder Sergio Corbucci.
„Als Künstler hat Adorf alles erreicht, was man erreichen kann, mit seinen Filmrollen hat er sich ins kollektive Gedächtnis gleich mehrerer Generationen von Deutschen eingebrannt“, schrieb einst die Stuttgarter Zeitung über ihn.
Geboren wurde Adorf am 8. September 1930 in Zürich als Sohn der deutschen Röntgenassistentin Alice Adorf und des italienischen Arztes Matteo Menniti. Seinen Vater sah Adorf nur ein einziges Mal.
Seine Kindheit verbrachte Adorf in Mayen. Zu der Kleinstadt in der Nähe von Koblenz hatte er bis zuletzt eine sentimentale Bindung. „Heimat ist für mich Mayen in der Eifel, das ist das Rheinland im weiteren Sinne“, sagte er einmal in einem Interview der Deutschen Welle. „Eine Heimat hat man nur eine. Zu Hause kann ich mich überall fühlen.“ Später lebte Adorf in München, Rom, Paris und Saint Tropez. Der Schauspieler war in zweiter Ehe mit der Französin Monique Faye verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit Lis Verhoeven stammt seine Tochter Stella, die ebenfalls Schauspielerin ist.
Erste Bühnenerfahrungen sammelte er in Studententheatern, er war als Statist und Regieassistent am Schauspielhaus Zürich tätig. In den 50er-Jahren absolvierte er an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule ein Schauspielstudium. Schon zuvor hatte er in Mainz und Zürich Philosophie und Theaterwissenshaften studiert, aber abgebrochen.
Adorfs Durchbruch war „Nachts, wenn der Teufel kam“
Seinen Durchbruch hatte er 1957 mit „Nachts, wenn der Teufel kam“. Unter der Regie von Robert Siodmak verkörperte er Bruno Lüdke, der unter dem NS-Regime des Mordes in 53 Fällen beschuldigt und 1944 ermordet wurde. Später haderte Adorf mit der Rolle, weil sich herausstellte, das Lüdke unschuldig war. Er wolle dazu beitragen, Lüdke zu rehabilitieren, vertraute Adorf vor einigen Jahren der Zeit an. „Das Beste fände ich, man würde einen neuen Film drehen und diesmal die wahre Geschichte erzählen.“ Auf Betreiben Adorfs wurde 2021 vor Lüdkes Elternhaus in Berlin-Köpenick ein Stolperstein verlegt.
Als Weltstar sehe er sich nicht, sagte Adorf der Hörzu. „Weltstars – das sind die Amerikaner. Andere gibt es kaum, vielleicht mal eine Brigitte Bardot oder eine Sophia Loren.“
Der SZ sagte Adorf im Jahr 2023 in einem Interview: „Ich habe immer gedacht, dass sie irgendwann kommt, die Angst vor dem Tod. Ich habe fast darauf gewartet, mit steigendem Lebensalter. Natürlich habe ich Angst davor, eine Krankheit zu bekommen, die zu einem langen, schmerzlichen Sterben führen könnte. Wer hat die nicht? Aber Angst vor dem Tod habe ich keine. Ich habe ein langes, zufriedenes Leben gelebt. Ich bin nicht gläubig. Hier spielt die Musik. Und hier hört sie dann irgendwann auch auf.“


