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Marianne Faithfull im Interview:"Ich habe keine Lust zu sterben"

Die Prinzessin der Rolling Stones spricht über ihre Zeit mit Mick Jagger und Keith Richards, über schlechten Sex - und über ihren neuen Film, in dem sie ausnahmsweise nicht blond ist.

Der Duft eines pudrigen, etwas süßlichen Parfums hängt in der Luft. Marianne Faithfull trägt an diesem Vormittag in Antwerpen ein transparentes, ärmelloses Top. Auf ihrem linken Oberarm klebt ein Pflaster, das sie mit der rechten Hand immer wieder andrückt. Dann streicht sie sich mit beiden Händen und großer, ausladender Geste die dichten, blonden Haare aus der Stirn.

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Vom blonden Star zur braunen Maus - und zurück

Sie ist blass, ihre Haut wirkt angestrengt, aber ihre vollen Lippen lassen sie immer noch jung aussehen. Am Abend gibt sie ein Konzert. Dann wird sie ein schwarzes Babydoll-Kleid tragen, was etwas seltsam wirkt. Sie wird Tee mit Honig trinken und kokett sagen: "Früher waren es andere Substanzen." Nach einer schwierigen Anfangsphase wird sie ihren ersten Hit singen: "As Tears go by". Und man muss sagen, dass dieses Lied einen immer noch zu Tränen rührt.

sueddeutsche.de: Mrs. Faithfull, was haben Sie mit Ihrem Arm gemacht?

Marianne Faithfull: Ach das - das ist ein Nikotinpflaster.

sueddeutsche.de: Sie haben aufgehört zu rauchen?

Faithfull: Ich versuche es, und es gelingt mir ganz gut. Ich bin schon auf der niedrigsten Dosierung, die so ein Pflaster haben kann.

sueddeutsche.de: Haben Sie schon häufiger versucht aufzuhören?

Faithfull: Auf jede erdenkliche Art und Weise, ich habe mich sogar hypnotisieren lassen. Es hat nie funktioniert. Nun probiere ich das aus.

sueddeutsche.de: Ich kenne nur eine Person, bei der das Hypnotisieren geklappt hat. Und sie war eigentlich nur die Begleitung und hat gern geraucht. Bei ihrer Freundin, die wirklich aufhören wollte, hat es nicht geklappt.

Faithfull: Ich will ja auch nicht aufhören. Ich muss aufhören. Es ist verrückt, Sängerin zu sein - noch dazu in meinem Alter - und dabei zu rauchen.

sueddeutsche.de: Waren die Zigaretten das einzige verbliebene Laster?

(Schweigen)

sueddeutsche.de Rauchen Sie keine Einzige mehr?

Faithfull: Am Ende eines Tages, nach dem Konzert, wenn ich auf meinem Zimmer bin, abgeschminkt, gebadet - ich bade immer in Totem-Meer-Salz -, wenn ich dann also meinen schönen roten Seidenpyjama anhabe, dann rauche ich drei Zigaretten.

sueddeutsche.de: Sie wirken amüsiert. Freuen Sie sich den ganzen Tag auf diese drei Zigaretten?

Faithfull: Schon, irgendwie. Aber ich fange an, sie nicht mehr ganz so sehr zu genießen wie vorher. Ich fange an zu begreifen, wie absurd das ist.

sueddeutsche.de: Sie hatten letztes Jahr Krebs.

Faithfull: Aber ich hatte Glück. Man hat den Tumor sehr früh gefunden und mich schnell operiert.

sueddeutsche.de: Sie scheinen irgendwie immer wieder auf die Beine zu kommen.

Faithfull: Ich habe einfach keine Lust zu sterben.

sueddeutsche.de: Ihr Lebensstil hat manchmal einen ganz anderen Eindruck vermittelt. Sie waren schwer drogenabhängig. Als Sie sich mit Anfang Zwanzig von Mick Jagger trennten, wurden Sie zum obdachlosen Junkie in London.