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"Man of Steel" im Kino:Außen stählern, innen zerrissen

Kinostarts - 'Man of Steel'

Stählern, backenknochig, heldenkantig: Henry Cavill als Superman

(Foto: dpa)

Superman fliegt wieder: In "Man of Steel" hat Clark Kent seine roten Unterhosen abgelegt und trägt sogar Vollbart und Holzfällerhemd. Befreit wirkt er aber trotzdem nicht - denn noch nie hatte ein Held wohl größere Angst vor den eigenen Kräften als er.

Von Tobias Kniebe

Ganz offensichtlich ist der Name ein Problem. Also nicht die Tatsache, dass es hier einen Mann gibt, der super ist. Das wäre auch für heutige Zeiten in Ordnung. Nur glauben die Macher von "Man of Steel" anscheinend, dass die Kinogänger der Gegenwart gerne selbst darüber entscheiden, was sie super finden und was nicht.

So huscht nun der verliebten Reporterin Lois Lane alias Amy Adams, als sie Superman gegenübersitzt, einmal ein Lächeln der Erkenntnis übers Gesicht. Sie denkt: Super, der Mann. Wäre auch ein cooler Name für ihn. Das sagt sie dann auch, nur versteht man es nicht, weil in diesem Moment heftige Störgeräusche losdröhnen. Später spricht ein aufgeregter Soldat das Wort "Superman" tatsächlich aus, erntet aber nur peinlich berührte Blicke.

Wenn die Menschen gemein sind, packt Superman seinen Rucksack

"Mann aus Stahl" also. Identifikationstechnisch einfacher, einerseits. Andererseits: Stahl? Das ist ja im popkulturellen Bewusstsein doch eher ein Material unserer Großväter - als Kruppstahl vor allem -, das dann in Vergessenheit geriet. Bis die Chinesen wieder größere Mengen davon brauchten. Kann es sein, dass die Chinesen auch hinter diesem Superman-Neustart stecken, nachdem der letzte Versuch 2006 noch schiefging? Der chinesische Markt bestimmt ja inzwischen alles.

Definitiv nicht mehr gebraucht wird heute die rote Unterhose, die Superman fünfundsiebzig Jahre lang trug. Nicht unter seinem hautengen Anzug wohlgemerkt, sondern darüber - eine Art leuchtender Keuschheitsgürtel. Die Herausforderung für alle Superman-Darsteller war, trotzdem nicht lächerlich auszusehen. Das ist nun einfacher geworden. Sexuell befreit wirkt Superman dennoch nicht - zu schwer lasten Verantwortungsgefühl und Vorbildfunktion weiterhin auf ihm.

Eine Zeitlang, in seiner Selbstfindungsphase als junger Mann, trägt Superman jetzt sogar Vollbart und Holzfällerhemden. Er arbeitet als Aushilfskellner in Truckerkneipen oder als Seemann auf Fischkuttern, und wenn die Menschen gemein zu ihm sind und es Probleme mit seinen Superkräften gibt, packt er seinen Rucksack und zieht weiter. Einmal läuft sogar ein klagender Gitarrensong dazu, frühe Neunziger, Seattle: "Seasons" von Chris Cornell. "I'm left behind as seasons roll on by. . ." Grunge Superman? Oh yeah.

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