"Maleficent" im Kino Hexe mit Liebeskummer

Riesige Hörner, gewaltige Flügel und blutrote Lippen: Angelina Jolie als böse Hexe "Maleficent".

(Foto: dpa)

Angelina Jolie rächt sich in "Maleficent" als düster-glamouröse Kinoprinzessin für ihr gebrochenes Herz. Das ist ein wenig furchteinflößend, aber sehenswert.

Von Anke Sterneborg

Jenseits des märchentypischen Gut-oder-böse-Imperativs haben selbst die finstersten Hexen manchmal einen triftigen Grund für ihre Bosheit. Im Gefolge von Harry Potter und "Twilight" erforscht auch Hollywood immer häufiger diese dunklen Seiten, die vor allem Disney lange Zeit familienfreundlich ausgeblendet hat. In den letzten Jahren bekamen düster-glamouröse Kinoprinzessinnen wie Julia Roberts oder Charlize Theron die Chance, auch ihre fiesen Facetten auszuspielen. Ihnen folgt nun Angelina Jolie, in Disneys Realverfilmung des klassischen Märchens vom Dornröschen.

Der Film nimmt nicht mehr die Perspektive des Mädchens ein, das durch einen Hexenfluch in einen Dauerschlaf fällt, sondern rückt eben diese Hexe, Maleficent, in den Mittelpunkt. Lustvoll konterkariert Jolie hier ihren Starglamour, mit riesigen Hörnern, gewaltigen Flügeln, blutroten Lippen und bedrohlich kantigen Wangenknochen. So furchterregend ist ihre Verkleidung, dass schon beim Casting alle Kinderdarsteller Reißaus nahmen. Weshalb für eine Szene, in der Dornröschen (die hier Aurora heißt) noch ein kleines Kind ist, nur Jolies eigene Tochter besetzt werden konnte.

Feenflügel schützen nicht vor Liebeskummer

Zunächst geht es aber um die tragische Liebesgeschichte von Maleficent, die zwar von Geburt an mit Feenflügeln ausgestattet ist, was sie aber nicht vor Liebeskummer bewahrt. Denn aus dem charmanten Jungen, in den sie sich einst verliebt hat, wird ein intriganter Mann, der sie für den Königsthron des feindlichen Nachbarreiches verrät. Wofür Maleficent sich bei der Taufe seiner Tochter mit jenem Fluch rächt, der Aurora/Dornröschen in den ewigen Schlaf versetzt. Aus dem kann sie, wie im Originalmärchen, nur durch wahre Liebe erweckt werden - jene Liebe, die Maleficent versagt blieb.

Es braucht schon eine Schauspielerin wie Angelina Jolie, um aus der plakativen Bosheit ein vielschichtiges Spiel mit widerstreitenden Gefühlen zu machen, in dem ein versteinertes Herz doch wieder erweicht wird. Vielleicht, so fragt der Film, muss es im Märchen gar nicht immer um Märchenprinzen gehen? Vielleicht ist die wahre Liebe an ganz anderer Stelle zu finden?

Inszeniert hat "Maleficent" Robert Stromberg, der sich als Produktionsdesigner märchenhafter Welten, von "Avatar" bis "Alice im Wunderland", einen Namen gemacht hat. Für beide Filme hat er einen Oscar gewonnen. Auch sein Regiedebüt lebt von der Bildkraft seiner phantastischen Märchenwelten, die über kleinere dramaturgische Schwächen hinwegsehen lässt. Außerdem steckt in "Maleficent" durch die schräge Beziehung der Jolie-Hexe zu ihrem verzauberten Gehilfen (Sam Riley, vogelwild) auch noch ein subversiv komisches Buddy Movie.

Maleficent, USA 2014 - Regie: Robert Stromberg. Buch: Linda Woolverton. Kamera: Dean Semler. Mit Angelina Jolie, Elle Fanning, Sam Riley. Disney, 96 Minuten.

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