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Luxusevent:Und sie sangen doch

Anna Netrebko und Elina Garanca überzeugen bei der Bellini-Oper "I Capuleti e i Montecchi" in Wien. Dabei war die Unsicherheit zuvor groß, ob das Duo überhaupt antreten würde.

Unruhe im Vorfeld. Würde Anna Netrebko in Bellinis "I Capuleti e i Montecchi" (konzertant im Wiener Konzerthaus) singen? Hatte sie doch kürzlich Vorstellungen von Massenets "Manon" an der Staatsoper abgegeben. Déjà vu?

Netrebko und Elina Garanca, man weiß ja: Absagen vorigen Sommer in Salzburg, wütende Aficionados und ein Festspielchef, der rabulistisch formulierte, dies gebe Gelegenheit, mehr über Kunst und weniger über Kommerz nachzudenken.

In Wien nun singen beide. Natürlich zieht der Luxusevent auch jene an, die bei Bellini in erster Linie an einen Cocktail denken.

Pianotöne

Doch als Netrebkos Giulietta mit wunderbar auf der Luft gesponnenen Pianotönen aufwartet und Garancas eleganter Romeo beim "Deh! tu, bell'anima" im Finale über das Affektspiel des Belcanto hinaus echten Schmerz spüren lässt, sind alle gebannt.

Der Moment wirkt, als ob ein kalter Wind die Blüten von den Bäumen wehte. Bis dahin ist die Oper trotz ihrer Guelfen-Ghibellinen-Thematik ein frühlingsfrohes Stück; das Leben musiziert sich selbst.

Am Schluss verlässt Bellini die formalen Zwänge des Nummernprinzips: bruchstückhafte Floskeln, erstickt gestammelte Worte, bevor sich die Liebenden noch einmal in einer letzten melodischen Phrase vereinen.

Das hat Dimensionen, die die Belcantooper hinter sich lassen; Netrebko und Garanca vollziehen sie eindringlich nach. Überzeugend auch Joseph Calleja (Tebaldo), der nie über sein Fach hinaus singt und sich daher, ohne Auszeit nehmen zu müssen, kontinuierlich weiter entwickelt.

Ordentlich Tiziano Bracci (Capellio), Robert Gleadow (Lorenzo) sowie Singakademie und Wiener Symphoniker unter Fabio Luisi.