Loriot bei Beckmann:"Na warte, Evelyn!"

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Es war rührend, wie der Mann, der seit den siebziger Jahren als Deutschlands beliebtester Komiker gilt, seine Partnerin, die oft für seine Ehefrau gehalten wurde, zu ehren wusste. Und rührend ging es weiter: Mehr als eine Stunde Zeit nahm sich Beckmann, um mit Vicco von Bülow ein paar ernste Worte zu reden - und zwischendurch seine schönsten komischen Sketche einzublenden.

Sketche, die Jahrzehnte alt sind und dem Betrachter trotzdem noch die Tränen in die Augen treiben. Erstens vor Lachen, und zweitens darüber, dass die deutsche Comedy-Landschaft solche Talente schon lange nicht mehr hervorbringt. Möglicherweise hat von Bülow recht, wenn er den Unterschied zwischen damaligen und heutigen Komödianten beschreibt:

"Heute wird man wahnsinnig danach beurteilt, wie viele Leute zugesehen haben. Wie heißt das? Quote! Wir haben damals nicht auf die Quote geachtet. Ich finde, sie dürfte nicht entscheidend sein."

Er habe damals Szenen noch vielfach wiederholen können, nur weil ein winziges Detail nicht stimmte, bis sie ihm schlussendlich wirklich gefielen. Seine Schauspieler, allen voran Evelyn Hamann, hätten das genauso gesehen. "Denn sie wussten: Ich kann es noch besser!" Bei Loriot habe es niemals ein improvisiertes Wort gegeben. "Das hat den Vorteil, dass es länger Bestand hat."

Der Anblick seiner lustigsten Sketche, darunter die berühmte Nudel-Szene, die heitere Jagd durch den Hotelflur im großartigen "Ödipussi" und der köstliche Kampf um den Kosakenzipfel schienen das gleich mehrfach zu belegen.

Trotzdem war im Leben dieses großen Komödianten längst nicht alles heiter. Weniger gerne spricht von Bülow über seine Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Biographie-Anfragen hat er bisher - unter anderem auch aus diesem Grund - abgelehnt. Zwar gelang es Beckmann, ein längeres Gespräch über die Zeit an der Front in Russland zu führen, doch dies war ihm offenbar so unangenehm wie von Bülow selbst. Weshalb beide froh waren, als weitere Gäste dazustießen: Olli Dittrich und Max Raabe, beides laut Beckmann Kollegen, die von Bülow hoch schätze.

Doch spätestens, als Beckmann Dittrich als "die neue Generation von Loriot" ankündigte, was vermutlich nur eine Überleitung sein sollte, war der Spaß vorbei.

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