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Lob des Puzzles:Corona-Hilfe in 1000 Teilen

Deutscher Puzzletag in Königsbrunn
(Foto: dpa/dpaweb)

"Sky is done". Lena Meyer-Landrut hat in ihrer Corona-Quarantäne ein Bild von ihrem noch unfertigen Puzzle auf Instagram veröffentlicht. Es gibt ja Puzzler, die mit dem Rand anfangen und solche, die mit einem Eck anfangen. Meyer-Landrut gehört augenscheinlich zur Eckenfraktion. Aber das ist absolut okay. Ihr Puzzle-Himmel, weiß-blaue Schäfchenwolken, die am Himmel träge herumwolken, dient als Mutmach-Aktion inmitten der Corona-Krise. Wie immer bei ihr fragt man sich, ob da nicht noch eine suberversiv-hintergründige Botschaft lauert. So wie beim Weltfrauentag kürzlich, als sie ein Bild von sich postete, auf dem Palmen, Meer und, wie es bald hieß, ihr "Killer Body" lediglich in Maßen textiltragende Rollen übernehmen.

Der Trend zum Puzzeln wurde schon vor der Pandemie, die die Menschheit in kollektiver Isolation an den Küchentisch zwingt, befeuert. Der Spielehersteller Ravensburger, der übrigens mal ein 500-Teile-Lena-Meyer-Landrut-Puzzle (nicht im Bikini) im Angebot führte, hat schon im letzten Jahr fast 20 Prozent mehr Erwachsenen- und Kinderpuzzles umgesetzt. Der Absatz lag bei 21 Millionen Stück. Dank Corona gehen die Puzzles nun endgültig durch die Decke. Bei Amazon wird "Puzzle" mindestens so oft angefragt wie "Paracetamol".

Ehrlich gesagt - sowie als Ingenieur, der natürlich systematisch mit dem Rand als Tragwerk anfängt: Puzzeln macht glücklich, auch in düsteren Stunden. Erstens kann man von Neuschwanstein bis Dubai Marina (1500 Teile), von "Abend über Santorini" (1000 Teile) bis zu "Beautiful Places on Earth" am Küchentisch sehnsuchtsvoll all das bereisen, was uns verwehrt bleibt. So lässt sich die Welt, die man ordnend zusammenbaut aus dem Chaos divergenter, unzusammenhängender, verwirrender Teile, die grundsätzlich immer dort liegen, wo sie nicht hingehören, wieder beherrschen. Zudem ist das Puzzeln Hirnjogging und Digital-Detoxing. Der erste Corona-Patient Deutschlands überstand seine 18-Tage-Isolation im Krankenhaus mit einem 1000-Teile-Puzzle. Kleiner Tipp: Es war ein Geschenk seiner Firma. Der Psychologe Stephan Lermer sagt: "Beim Puzzeln darf man gesund stolz auf sich sein." Das braucht man jetzt. Und ein paar Wolken, die am Himmel wolken.

© SZ vom 28.03.2020

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