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Nachruf auf Lloyd Price:Als der Teufel klein war und die Musik groß

LLOYD PRICE

Nick Cave, Amy Winehouse und Elvis natürlich haben sich an seinen Stücken versucht. Im Soul blieb Lloyd Price (hier ca. 1975) aber unerreicht.

(Foto: Pictorial Press/Alamy/mauritius images)

Wenn Lloyd Price kollerte, brachte er seine Stimmbänder in Lebensgefahr. Nun ist der Shouter, Box-Promoter, Barbetreiber und Bauunternehmer 88-jährig gestorben.

Von Willi Winkler

"Wisst Ihr noch", leitet John Lennon seine Version von "Just Because" ein, und dann hämmert schon das Klavier zu dieser großen Selbstmitleidshymne: "Nur weil du mich verlassen hast...". Lloyd Price hat sie gesungen, 1957, als er aus der Army entlassen worden war und wieder vorn anfangen musste. Anders als Elvis soff er danach nicht im Schmalz ab, sondern wurde erst richtig berühmt. Der erste Rocker, als Rock'n'Roll noch Rhythm & Blues hieß und tatsächlich so schwarz war, wie es die weißen Nachsänger gern gewesen wären.

Price stammte aus New Orleans, wo zur lokalen Folklore auch die Geschichte von Stack Lee gehörte, dem Zuhälter, der einen anderen umballerte, weil der ihm beim Spielen alles abnahm - den neuen Stetson inklusive. Die Moritat "Stagger Lee" verherrlichte sehr vergnügt den Mord und durfte nur zensiert ins Fernsehen. Sonst war aber alles da: die Nacht, der gelbe Mond, das Laub, der bellende Hund und Stagger Lee mit der .44er.

Wenn Lloyd Price kollerte, brachte er seine Stimmbänder in Lebensgefahr, bis ihn das Saxophon-Solo rettete

Begonnen hatte Price als Teenager mit "Lawdy Miss Clawdy", nicht mehr als ein Werbe-Jingle ursprünglich, aber schon der ganze Kummer mit den Frauen. Fats Domino triolierte das Intro, und dann diese klagende Stimme: Wenn Lloyd Price kollerte, brachte er seine Stimmbänder in Lebensgefahr, bis ihn das Saxophon-Solo rettete. Da wurden den Weißen die Knie weich, und sie bedauerten, dass sie nicht selber in dieser religiösen Inbrunst aufgewachsen waren, die es nur ganz unten im Süden gab. Price überführte sie ins Säkulare, und mit "Personality", seinem größten Hit, war er schließlich auch countryclubtauglich geworden.

Nick Cave, Amy Winehouse und Elvis natürlich haben sich an seinen Stücken versucht. Eric Burdon aus dem Blues-Delta von Newcastle ist ihm stimmlich immerhin nahegekommen. Im Soul blieb Price aber unerreicht.

Und wohlhabend. Immerhin. Anders als die anderen schwarzen Blues-Sänger wurde Price nicht von weißen Managern abgezockt, er brauchte auch niemanden mit der .44er zu erschießen, sondern wurde auf eigene Rechnung reich. Price besaß sein eigenes Label, mit dem er dann auch Leute wie Wilson Pickett förderte. Bereits 1963 gab er das Singen weitgehend auf, betrieb Bars, Clubs und Restaurants, expandierte dann in die New Yorker Bauwirtschaft und vertrieb Lawdy-Miss-Clawdy-Merchandise. In den Siebzigern organisierte er die beiden Schaukämpfe zwischen Muhammed Ali und erst George Foreman in Kinshasa und dann Joe Frazier in Manila.

Nur zum Spaß trat er bei Nostalgietourneen noch mit anderen Helden wie B. B. King und James Brown auf. Wenn er dann seinen Stagger Lee hervorholte und der Chor respondierte, verwandelte sich auch die letzte Mehrzweckhalle in ein Freudenhaus in New Orleans. Wisst ihr noch, damals, als der Teufel klein war und die Musik groß? Am 3. Mai ist der Shouter Lloyd Price 88-jährig in der Nähe von New York gestorben.

© SZ/biaz
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