Literaturnobelpreis Institutioneller Schaden

Jean-Claude Arnault bleibt in Haft. Mit einem Urteil ist am 3. Dezember zu rechnen.

(Foto: dpa)
  • Jean-Claude Arnault, wegen Vergewaltigung verurteilt, bleibt in Haft. Das Berufungsverfahren gegen ihn ist abgeschlossen.
  • Seine Frau hingegen, Katarina Frostensson, weigert sich, die Schwedische Akademie zu verlassen.
  • Über neue Mitglieder will das Gremium erst im kommenden Jahr beraten.
Von Thomas Steinfeld

Die Schwedische Akademie mag sich bemühen, aus ihren Skandalen herauszufinden. Aber es gelingt ihr nicht. Am Mittwochabend schloss "Svea Hovrätt", das für die Region Stockholm zuständige Appellationsgericht, die Berufungsverhandlungen im Fall Jean-Claude Arnault ab. Der Ehemann der Lyrikerin Katarina Frostenson, in erster Instanz wegen Vergewaltigung verurteilt, bleibt demnach in Haft, was ein Indiz für den Ausgang des Verfahrens sein mag. Das Urteil wird am 3. Dezember bekanntgegeben werden.

Mit Beschuldigungen gegen Jean-Claude Arnault, zahlreiche Frauen in der Umgebung der Akademie sexuell belästigt zu haben, hatten die Skandale um die Akademie vor einem Jahr begonnen. Unterdessen weigert sich Katarina Frostensson, der Aufforderung der Akademie zu folgen, die Institution zu verlassen. Sie wird beschuldigt, ihrem Mann die Namen künftiger Nobelpreisträger und Akademiemitglieder verraten und damit gegen die Statuten der Akademie verstoßen zu haben. Mit ihrer Weigerung erzwingt sie eine formal rechtliche Untersuchung der Vorwürfe.

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Der 72-jährige gebürtige Franzose war der Auslöser für den Konflikt in der Schwedischen Akademie, die den Literaturnobelpreis für dieses Jahr ausgesetzt hat.

Und als wäre das alles nicht genug, wird für die kommenden Wochen die Eröffnung eines Verfahrens gegen Arnault und Frostenson wegen Verstößen gegen das Steuer- und Arbeitsrecht erwartet. Sie hatten zusammen einen privaten Kulturverein betrieben, der, als Vorhof und Probebühne der Akademie, den zentralen Ort für all diese Vergehen gebildet hatte. Zwar war es der Akademie in den vergangenen Wochen gelungen, mit Unterstützung zweier Mitglieder, die eigentlich ihre Mitarbeit eingestellt hatten, drei neue Mitglieder zu ernennen. Doch wurde dieser kleine Erfolg zum Teil wieder rückgängig gemacht, als die Theologin Jayne Svenungsson, erst seit einem knappen Jahr Mitglied der Institution, in der vergangenen Woche ihr endgültiges Ausscheiden bekanntgab. Zudem wurde publik, dass die Akademie den Schriftsteller Niklas Rådström zu einem neuen Mitglied hatte machen wollen, dieser aber bis auf weiteres ablehnte.

Die Akademie hat nun angekündigt, erst im kommenden Jahr wieder über neue Mitglieder (derzeit sind zwei Sitze vakant) beraten zu wollen. Für dieses Jahr ist der Nobelpreis für Literatur ausgesetzt. An den Feierlichkeiten zur Vergabe der Nobelpreise, die am 10. Dezember in Stockholm stattfinden, werden die Mitglieder der Akademie nicht in offizieller Funktion teilnehmen. Ob es im Jahr 2019 einen Nobelpreis für Literatur geben wird, erscheint als zunehmend unsicher.

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