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Literaturnobelpreis:Forderungen in Sachen Handke

Von SZ

Die Auseinandersetzung um Peter Handke, seine Parteinahme während des Jugoslawienkriegs und den Literaturnobelpreis ist in die Phase kollektiver Erklärungen und Petitionen eingetreten. Nachdem sich vergangene Woche über hundert österreichische Intellektuelle gegen einen Umgang mit dem Schriftsteller verwahrten, den sie "Anti-Handke-Propaganda" nannten, hat jetzt eine Reihe vor allem bosnischer NGOs und Verbände, angeführt von der Gesellschaft für bedrohte Völker mit Sitz in Göttingen, eine Petition initiiert. Darin wird die Auseinandersetzung rekapituliert, die diese Gesellschaft in den neunziger Jahren mit Handke führte. Ein Angebot der Organisation, Handke mit bosnischen Genozid-Überlebenden zusammen zu bringen, habe der etwa abgelehnt. Das Schreiben richtet sich direkt an den Sekretär der Schwedischen Akademie, Anders Olsson, und enthält konkrete Forderungen. Zunächst solle die Akademie die Protestnote öffentlich anerkennen, in der es heißt, dass mit Handke ein Schriftsteller ausgezeichnet werde, "der für die intellektuelle Unterstützung des Genozids bekannt ist". Genau diese Darstellung bestreiten allerdings sowohl die Akademie als auch Handkes Verlag Suhrkamp mit Verweis auf dessen Schriften und Interviews. Weiter heißt es in der Petition, die Akademie solle Peter Handke bitten, sich in seiner Dankesrede "bei den Opfern der Genozide in Srebrenica und Bosnien Herzegovina dafür zu entschuldigen, dass er seine literarischen Fähigkeiten dafür benutzt hat, ihre Erfahrung zu negieren." Wenn Handke das nicht wolle, solle die Akademie darauf drängen, dass er auf den Preis verzichtet.

© SZ vom 20.11.2019

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