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Literaturfest:Dr. Feminismus

Die schreibende Rapperin Lady Bitch Ray im Literaturhaus

Eigentlich, sagt Reyhan Şahin, habe sie das Buch "Yalla, Feminismus!" nur geschrieben, weil sie Geld brauche, um ihr neues Rap-Album zu finanzieren. Und weil sie gern eine Professur hätte, schließlich wende sie wissenschaftliche Methoden im Buch auf eine unterhaltsame Weise an, im Gegensatz zu all dem universitären Blabla. Jemanden, der so etwas sagt, nicht sympathisch zu finden, ist praktisch unmöglich. Das geht auch dem Publikum im Literaturhaus so, wo Şahin ihr Buch vorstellt. Darin geht es um Feminismus, Rap - sie ist als Dr. Bitch Ray erfolgreich - und die Akademia. Oder die "Fuckademia", wie sie sagt, weil sie dort wie im Rap gegen Sexismus kämpfen muss - als türkischstämmige Frau vielleicht besonders.

Sie plädiert an diesem Abend lustig, brodelnd und klug für einen differenzierteren Feminismus. Einen, der Intersektionalität einbezieht, also doppelte Diskriminierung, etwa durch Herkunft und sexuelle Orientierung. "Der westliche weiße Feminismus", sagt Şahin, "dachte lang, er müsse eine Frau, die Kopftuch trägt, sofort davon befreien." Sie erklärt, warum die Annahme, das Kopftuch sei per se frauenfeindlich, rassistisch ist und Quatsch. Und warum sich daher viele islamische Frauen vom westlichen Feminismus nicht verstanden fühlten. Der Moderator Max Czollek hat Mühe, den Abend in die Bahnen zu lenken, die er sich dafür ausgedacht hat. Denn Şahin braucht keinen Moderator, sie kriegt ihre Ansichten und Argumente ohnehin los, wann sie es will. So geht es recht munter drunter und drüber, Şahin teilt noch eine Runde Richtung Rapper aus, die in Texten und Gebaren patriarchale, sexistische Weltbilder propagieren. Und bittet die Universitäten erneut um eine Stelle. Also, yalla, Akademia, diese Frau kann jede Uni gut gebrauchen.

© SZ vom 27.11.2019
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