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Literaturfest:Dichterwettstreit

Literaturfestival Bamberg

Die "Wörterschleuse" von Fotograf Uwe Gaasch und Scherenschneider Wolfgang Müller wurde von einem Gedicht Wolfgang Bächlers inspiriert und ist in Bamberg zu sehenn.

(Foto: Literaturfestival Bamberg)

In Bambergs Kulturszene rumort es: Ein neues, hoch subventioniertes Literaturfestival soll in der Weltkulturerbestadt initiiert werden. Zu viel Konkurrenz für ehrenamtlich geführte Aktivitäten?

Das Programm liest sich wie eine Bestseller-Liste. Martin Walser und Donna Leon, Herta Müller, Doris Dörrie, Wladimir Kaminer. 21 Autoren werden im Januar und Februar in und um Bamberg auftreten, beim ersten Bamberger Literaturfestival. Das allerdings stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung in der Stadt, sondern hat eine sehr grundsätzliche Debatte über das Kulturleben ausgelöst.

Die einen nämlich fürchten um die Vielfalt und um gewachsene Strukturen. Denn es gibt bereits ein Literaturfestival in Bamberg, ein kleineres zwar, das vom 3. November an zum fünften Mal stattfindet und sich nicht mit derart bekannten Namen schmückt. Der Autor und Dozent für kreatives Schreiben, Martin Beyer, hat "Bamberg liest" erfunden. Ein zentraler Aspekt ist die Nachwuchsförderung, so bringt Beyer junge Schreiber mit erfahrenen Autoren zusammen und aus der gemeinsamen Arbeit entsteht ein Buch. Über die Jahre waren auch internationale Gäste dabei, längst ist die Reihe kleine studentische Nischenveranstaltung mehr, als die sie mancher nun abtut. Die Auftaktveranstaltung am Dienstag bestreitet etwa Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz. Schließlich gibt es eine Ausstellung in der Volkshochschule mit Werken Bamberger Künstler, die in ihrer Kunstform Gedichte interpretieren. Wie der Fotograf Uwe Gaasch und der Scherenschnitt-Künstler Wolfgang Müller, die sich mit einem Gedicht von Wolfgang Bächler beschäftigten.

Beyer nun sieht "Bamberg liest" durch das neue, deutlich populärer besetzte und mit mehr Geld ausgestattete Festival gefährdet. Auch wenn die Trägerschaft für seine Reihe nun das Kulturamt übernommen hat und die Stadt 10 000 Euro zuschießt. Eine Zusammenarbeit mit den Machern des neuen Festivals hat sich nicht ergeben, auch wenn Gespräche stattfanden, zu unterschiedlich waren wohl die Vorstellungen, was ein Literaturfestival ausmacht.

Was nun manches Gemüt erregt ist auch die Tatsache, dass hinter dem neuen Festival nicht nur der Landkreis Bamberg steht, sondern auch eine Unternehmergesellschaft aus einem Bamberger Buchhändler, dem früheren Basketball-Manager Wolfgang Heyer, der Geschäftsführer eines Veranstaltungsservice ist, und Klaus Stieringer, dem Chef des Stadtmarketings und der SPD-Fraktion im Stadtrat. Dieser Mann polarisiert, weil er in Bamberg einige Großveranstaltungen etabliert hat, die Tausende Besucher anziehen, aber manchem Bamberger einfach zu groß für die Weltkulturerbestadt geraten sind. Das nun ausgerechnet der Citymanager auch noch ein hoch subventioniertes Literaturfest initiiert und damit in Konkurrenz tritt zu den ehrenamtlich geführten etablierten Aktivitäten, regt einige auf. "Das riecht nach einem Versuch der Risikominimierung auf Kosten der Steuerzahler", kritisierte ein Grünen-Politiker. Stieringer hat Leader-Fördermittel beantragt, außerdem rechnet er mit Zuschüssen der Oberfranken-Stiftung und der Sparkasse. Dort sitzt er im Verwaltungs- und im Stiftungsrat.

Worin er selbst kein Erregungspotenzial erkennt, wie er überhaupt die Aufregung nicht versteht. "Genau genommen müssten sich doch alle freuen", sagt er. Eine Literaturfestival in einer Zeit, in der sonst wenig los sei in der Stadt, bedeute doch eine attraktive Bereicherung. Keine Konkurrenz.

Doch nicht nur "Bamberg liest", sondern auch die renommierten Bamberger Kurzfilmtagen sehen die sehr wohl. Volker Traumann, der Vorsitzende des Vereins, der die Kinoreihe veranstaltet, kündigte in einem Brandbrief bereits an, die Kurzfilmtage abzusagen. Seine Veranstaltung, die ehrenamtlich organisiert wird, sei auf mediale Präsenz und viele Besucher angewiesen. "Durch das unbesonnene Vorgehen wird ein seit 1991 bestehendes Leuchtturmprojekt Oberfrankens und Bayerns in seiner Existenz gefährdet", schreibt er.

Die Macher des Literaturfestivals weisen das zurück, schließlich gebe es oft mehrere Veranstaltungen. Der Autor und Kulturmanager Thomas Kraft, der sich um das Programm kümmert, ist überrascht von soviel Kritik. "Ich fände es schön, wenn das Festival eine Chance bekommt", sagt er. In Bambergs Kulturszene allerdings rumort es bislang weiter.

Bamberg liest beginnt am 3. November. Infos: www.bamberg-liest.de. Das Bamberger Literaturfestival findet statt von 21. Januar bis 6. Februar 2016. Infos: www.bamlit.de