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Literaturfest:Der Schuh drückt

Die Bücherschau endet mit Nora Bossong und Albert Kitzler

Von Yvonne Poppek

Oben auf den Gipfeln findet Albert Kitzler die schönsten Restaurants. Da hole er eine Flasche Wein und ein Stück Käse aus seinem Rucksack und genieße das Panorama, sagt der Autor und Lebensberater. Der Genuss dieser Momente schwingt in seiner salbungsvollen Stimme mit. Ja, Kitzler mag die Berge, überhaupt das Wandern. Deshalb hat er das Buch "Vom Glück des Wanderns" (Droemer) geschrieben. Zum Abschluss der Münchner Bücherschau stellt er seine mit Zitaten aus verschiedenen philosophischen Schriften angereichte Veröffentlichung vor - und seine zwischen Pessimismus und Lebensglück hin und her pendelnde Weltsicht.

Bücherschau-Kurator Thomas Kraft hat Kitzler gemeinsam mit der Schriftstellerin Nora Bossong am Sonntag in die Black Box eingeladen. Eine Kombination, die auf den ersten Blick nicht zwingend erscheint und auch über den Abend hinweg nicht schlüssiger wird. Bossong hat ihren neuen Roman "Schutzzone" (Suhrkamp) im Getriebe der Vereinten Nationen angesiedelt, ihre Protagonistin Mira ringt mit Idee und Wirklichkeit der UNO, mit der Frage nach Verantwortung und auch mit ihrer eigenen Biografie. Während Bossong ihren Blick von einer einzelnen Figur ausgehend in die Welt hinein weitet, geht Kitzler den entgegengesetzten Weg, spürt Wohltuendem für Geist und Körper nach.

Kraft versucht nun, die beiden so unterschiedlichen Autoren über das diesjährige Thema der Bücherschau zu verbinden: Unter dem Motto "das schöne Mysterium" sollte Schönheit und Zerstörung dieser Welt diskutiert werden. Doch eine Brücke lässt sich nicht schlagen, die beiden Ansätze liegen so weit auseinander, dass sich nicht einmal ein Gegensatz aufbauen lässt. Kitzler ist überzeugt, dass demnächst Katastrophen auf die Weltbevölkerung zukommen, sieht aber die Menschen in der Pflicht, das Schöne zu finden, zu bewahren und sich daran zu erfreuen.

Bossong spricht hingegen von Verantwortung, analysiert die Zerrissenheit der UN-Mitarbeiter bei ihren Missionen zwischen Idealismus, Pragmatismus und Zynismus. "Selbst wenn man weiß, dass man scheitern kann, muss man doch daran glauben", sagt sie. Ihre Analyse eines Hilfseinsatzes in Burundi steht so beziehungslos neben Kitzlers Naturerlebnissen: "Ich bleibe an jeder Rose am Gartenzaun stehen und rieche daran." Und wie hält es Bossong mit dem Wandern? "Ich bin eher so die Flaneuse." Das kann tatsächlich auch ein Glück sein.

© SZ vom 03.12.2019
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