Literaturbetrieb Diogenes verliert Simenon

Der Diogenes-Verlag hat die deutschsprachigen Rechte am Gesamtwerk des belgischen Schriftstellers Georges Simenon (1903-1989) verloren.

Der in Zürich residierende Diogenes Verlag hat die deutschsprachigen Rechte am Gesamtwerk des belgischen Schriftstellers Georges Simenon (1903-1989) verloren. Seit 1977 waren über 220 Bände in einer Gesamtauflage von mehr als sechs Millionen Exemplaren bei Diogenes erschienen, darunter alle 75 Maigret-Romane. Künftig werden die Werke Simenons im Kampa Verlag erscheinen, den dessen Eigentümer und Geschäftsführer Daniel Kampa erst in diesem Jahr gegründet hat und der seinen Sitz ebenfalls in Zürich hat. Bis Juni 2017 hat Daniel Kampa den Hamburger Verlag Hoffmann und Campe geleitet, zuvor war er von 2005 bis 2013 Mitglied der Geschäftsleitung im Diogenes Verlag, in den er 1994 eingetreten war. Als Assistent des Verlagsgründers Daniel Keel, der 2011 verstarb, war Kampa schon im Diogenes Verlag mit der Betreuung des Werkes von Simenon befasst. Dessen Weltrechte liegen bei der Firma Georges Simenon Ltd. und werden von John Simenon, dem zweitältesten Sohn von Georges Simenon, und der englischen Agentur Peters, Fraser & Dunlop verwaltet. Die Bekanntgabe des Vertragsabschlusses mit John Simenon verband Daniel Kampa mit der Ankündigung, sein Verlag werde ab Frühjahr 2018 Neuübersetzungen mit Nachworten von Autoren und Kritikern in Auftrag geben, vergriffene Titel wie den "Brief an meine Mutter", die "Intimen Memoiren" und zahlreiche nicht mehr lieferbare "Non-Maigrets" rasch wieder auf den Markt bringen. Zudem will Kampa bisher nicht ins Deutsche übersetzte frühe Kriminalgeschichten sowie ausgewählte Interviews, literaturkritische Schriften und Reportagen herausbringen. Der Diogenes Verlag erklärte: "Wir sind enttäuscht über die Entscheidung von John Simenon und der Agentur Peters, Fraser & Dunlop, die jahrzehntelange Zusammenarbeit vertraglich nicht zu verlängern, und möchten dies nicht weiter kommentieren."