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Literatur-Werbung:Bis der Kopf platzt

Die New Yorker Firma Blurbings LLC setzt sich seit kurzem die verdienstvolle Aufgabe, solche Blurbs für amerikanische Autoren zu organisieren, die nicht mit John Updike auf du und du sind und auch ansonsten kein Aas aus dem Literaturbetrieb kennen.

Einen Blurb von einem bekannten Autor an Land zu ziehen, kostet bei Blurbings LLC 14 bis 23 Dollar, rechnet die Firma auf ihrer Homepage vor, "die 30 bis 50 Standard-Blurbs, die Sie für die Bewerbung Ihres Buches brauchen, kosten Sie zwischen 420 und 1150 Dollar."

Das Problem ist natürlich, dass es trotz der hohen Preise am Ende nicht Updike und Roth sein werden, die das neue Buch von XY handlungstechnisch hervorragend gemeißelt und die Lektüre als sprachlich federndes Vergnügen erleben, sondern unbekannte Studenten oder Internauten, die sich auf die Homepage dieser Firma verirren.

Ähnlich scheint der Suhrkamp-Verlag einige seiner Blurbs zu generieren. "Die Kunst im Chor zu weinen", der Roman des Schweden Erling Jepsen, wird beworben mit den Worten "Ein ganz ungewöhnlicher Roman - tragisch, komisch, unheimlich, man legt ihn nicht mehr aus der Hand". Was daran ungewöhnlich sein soll, sei dahingestellt.

Wenn Darwin "Krieg der Welten" geschrieben hätte

Das Interessante ist, dass dieser Blurb zwar in Anführungszeichen steht, was ja eine Art Street Credibility signalisieren soll, dass da also jemand außerhalb des Verlags gesprochen hat, dass dieser jemand aber nur als B. T. bezeichnet wird.

Überhaupt: Suhrkamp. Bei denen fällt länger schon ein bizarrer Manierismus auf. Im vergangenen Jahr hieß es über einen Band zu Walter Benjamin: "Von einer Sensation ist zu berichten." Diesmal wird Julia Zange mit den Worten "Eine Autorin ist zu entdecken", angekündigt, was zweifelsohne richtig ist, veröffentlicht sie doch hier ihr Debüt. "Anzukündigen ist" aber auch " die Erstveröffentlichung zweier Texte von Max Frisch." Kurzum: Von einer Marotte ist zu berichten, Satzverschraubung ohne Nutz und Gewinn, kommt nur ein wenig pompöser, staatsrednerhafter daher.

Und von noch einer Neuerung bei Suhrkamp ist zu berichten. Dietmar Dath wird zwar erst mal standardmäßig abgefeiert: Er selbst "der Größte unter den jüngeren Autoren", sein Werk "eine der inspirierendsten Romanwelten, in denen man heute leben kann", also alles ganz normaler Katalogdurchschnitt. Über seinen neuen Roman "Die Abschaffung der Arten" aber heißt es: "Wenn Charles Darwin 'Krieg der Welten' geschrieben hätte, vielleicht wäre ein Buch wie dieses herausgekommen."

Solcherlei Beschreibungen eines Werkes durch das Vermengen anderer Werke oder Autoren war früher der Musikindustrie vorbehalten, die einem seit Jahr und Tag erklärt, x klinge so, als hätte y sich an einer Neuinterpretation von z versucht, beziehungsweise diese Rockband liege klanglich irgendwo zwischen Fusion-Reggae und Schredderpunk mit einer Nuance westschottischen Grunges darin.

Lesen Sie auf Seite 4, wie Bücher in Papua-Neuguinea angekündigt werden.