bedeckt München 22°

Literatur:So ist die Fortsetzung von Cornelia Funkes Erfolgsroman "Drachenreiter"

Autorin Cornelia Funke

Cornelia Funke wurde mit dem Fantasy-Jugendroman "Tintenherz" weltberühmt.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

19 Jahre nach dem ersten Buch erscheint jetzt "Die Feder eines Greifs". Fazit? Die Handlung wuchert wie Schlingpflanzen im Urwald.

Buchkritik von Roswitha Budeus-Budde

Cornelia Funke hat sich Zeit gelassen mit der Fortsetzung des "Drachenreiters", der Geschichte des Waisenjungen Ben, der die Welt der letzten silbernen Drachen retten muss, die, in Schottland von den Menschen bedroht, eine neue Bleibe im Himalaja suchen, am "Saum des Himmels". Das war ein gefährliches Abenteuer gewesen, in dem Ben mit dem jungen Silberdrachen Lung als Gefährten und mit einer Reihe von fantastischen Helfern den Erzfeind besiegen muss, Nesselbrand, den Goldenen.

Sie alle treffen sich nun wieder im zweiten Band "Der Feder eines Greifs", aber ihre Welt, die der Magie und Fantasie, hat sich in den 19 Jahren seit dem Erscheinen des ersten Bandes verändert, und natürlich auch das Leben der Autorin. Ihr Wohnsitz ist seit vielen Jahren Kalifornien, und wenn sie nicht schreibt oder ihre Leserschaft über literarische Projekte in den neuen Medien anspricht - gerade hat sie ihren eigenen Hörbuchverlag "Atmende Bücher" gegründet -, ist sie auf Recherchereisen, zur Zeit für ihre "Spiegelwelt"-Serie. "Ich bin wie ein Schwamm, ich inhaliere einen Ort. Danach arbeite ich viel mit Literatur und Fotos, damit vertiefe ich das Thema."

"Diese Geschichte ist für all jene, die den Mut haben, zu beschützen statt zu beherrschen"

Die Erfahrungen dieser Reisen haben dem zweiten Band des "Drachenreiters" Leichtigkeit und Komik genommen. Man spürt die Sorge der Autorin über den desolaten Zustand der Welt - im Mittelpunkt steht die Bedrohung der fantastischen Tierwelt: "Ich habe diese Geschichte nicht für die geschrieben, die die Welt regieren wollen . . . Diese Geschichte ist für all jene, die den Mut haben, zu beschützen statt zu beherrschen, zu behüten statt zu plündern, zu erhalten statt zu zerstören."

Schon im Vorwort stimmt sie den Leser darauf ein, bevor er wieder in ihre Fantasiewelt eintauchen kann, in der jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier, jedes fantastische Geschöpf menschliche Gefühle entwickelt. Ein Wiederentdecken der magischen Phase früher Kindheit, in der Dinge nicht nur als belebt, sondern auch in Folge kindlichen Gerechtigkeitsgefühls als gut oder böse angesehen werden.

Die Geschichte entwickelt sich zwischen dem indonesischen Dschungel und Norwegen, wo Ben inzwischen bei seinen Adoptiveltern lebt. Die haben hier die Organisation FREEFAB gegründet, die sich den Schutz fabelhafter Tiere zur Aufgabe gemacht hat. Und gleich zu einer gefährlichen Expedition starten müssen, um eine Greifenfeder zu finden, mit der die letzten drei Pegasusfohlen gerettet werden können. Doch Greife, furchterregende Geschöpfe, die im indonesischen Urwald leben, sind die größten Feinde der Drachen.

Ben, sein Adoptivvater und der Drache Lung brauchen eine große Schar von Helfern auf dieser Reise, auch die bekannten fantastischen Figuren aus dem ersten Band sind wieder dabei - Schwefelfell, ein Koboldmädchen, und Fliegenbein, ein Homunkulus, er gehört zu Cornelia Funkes Lieblingsfiguren, mit seinem verschrobenen komischen Wesen. Sie begegnen Mönchen und weisen Frauen, und bald beginnt dann der große Kampf gegen die Greife und ihren brutalen Herrscher.

Cornelia Funke erzählt von einer idealen Gesellschaft, die nur im Zusammenspiel zwischen fantastischer und realer Welt Bestand hat und ständig verteidigt werden muss. Ein Personenverzeichnis am Schluss hilft die Übersicht zu behalten - es enthält 133 Namen. Da kann die Handlung ruhig wuchern wie die Schlingpflanzen im Urwald.

Der neue ´Drachenreiter": ´Die Feder eines Greifs" von Cornelia Funke

Jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier, jedes fantastische Geschöpf kann in Cornelia Funkes magischer Welt menschliche Gefühle entwickeln.

(Foto: dpa)
© SZ vom 27.09.2016/sars
Zur SZ-Startseite