bedeckt München 13°
vgwortpixel

Literatur:Lesen und retten

Die Pläne der Internationalen Jugendbibliothek in diesem Jahr

Lässt sich lesend die Welt retten? In einem "Literaturcamp" wollen es Jugendliche versuchen. Unter dem Motto "Die Welt ist ungerecht. Lesen - Reden - Weltretten?!" organisiert die Internationale Jugendbibliothek in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung am 8. und 9. Februar erstmals ein Wochenende für "junge, engagierte Menschen" zwischen 15 und 18 Jahren, mit Workshops zu eigenen Texten und mit Diskussionen, unterstützt von Autoren wie Manja Präkels oder der Philosophin Christine Bratu.

Anmeldungen für das Jugendcamp sind noch möglich. "Es ist ein Experiment", sagte die IJB-Direktorin Christiane Raabe bei der Jahrespressekonferenz auf Schloss Blutenburg. Sie selbst interessiert daran unter anderem, "welche Texte Jugendliche bewegen, politisch aktiv zu werden". Das Camp ist einer der ersten großen Programmpunkte: "Es wird ein sehr volles Jahr", sagte Raabe, "noch voller als sonst."

Das liegt nicht nur daran, dass von 12. bis 16. Juli wieder das alle zwei Jahre stattfindende "White Ravens Festival" ansteht, mit Jugendbuchautoren und Illustratoren aus Ländern von Japan bis Kanada. Auch zwei große Tagungen sind in Planung: Am 14./15. Februar wird man sich, zum Abschluss der Erschließung des Teilnachlasses, in der IJB erstmals wissenschaftlich dem Erfolgsautor Michael Ende widmen. Unter dem Motto "Die Lust am freien und absichtslosen Spiel der Phantasie" soll es in der öffentlichen Tagung umfassend um die Themen und Motive in seinem Werk gehen. Anfang Oktober wird dann eine Tagung um die IJB-Gründerin, Journalistin und Autorin Jella Lepman kreisen. Es gehe um Lepmans "Wiederentdeckung", sagte Raabe; es sei "unverständlich, dass diese Frau so unbekannt ist".

Geplant ist außerdem eine Gedenkveranstaltung für die im vergangenen Jahr verstorbene Jugendbuchautorin Mirjam Pressler, die am 18. Juni 80 Jahre alt geworden wäre und deren Nachlass an die IJB gegangen ist. Ein Erzählfestival soll an den ehemaligen IJB-Direktor und Märchenforscher Walter Scherf erinnern; und auch die Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut, die in diesem Jahr 100 geworden wäre, wird im November gebührend gewürdigt. Eher in die Zukunft gerichtet ist eine Abschlussveranstaltung zum dreijährigen Projekt über aktuelle Kinderliteratur aus der arabischsprachigen Welt: Am 28. April wird man im Gasteig über bessere "Modelle der Vermittlung" diskutieren.

An Ausstellungen wird die Bibliothek unter anderem von März an internationale Wimmelbücher präsentieren; außerdem hat sie kürzlich eine Sammlung historischer Kinder- und Jugendbücher übernommen und will sie zusammen mit aktuellen Sachbüchern zeigen, verbunden mit der Frage: "Wie hat sich das Weltwissen für junge Menschen verändert?" In der Jahresausstellung von November an wird es dann um "Schurken, Hexen, üble Gestalten" gehen, um die "Bösewichte" in der Kinder- und Jugendliteratur also. Klingt so, als wäre dazu gleich das nächste Literaturcamp fällig: Welt retten!

© SZ vom 21.01.2020
Zur SZ-Startseite