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Literatur:Kurioses aus der Nische

Auf der "Litera Bavarica", einer kleinen Buchmesse im Münchner Pfarrzentrum Sankt Bonifaz, präsentieren 16 Verlage ihre Bücher, die zumeist keine hohe Auflage erreichen

Von Albert Heilmann

Es ist einer der bekanntesten Anfangssätze der Weltliteratur. In der Fassung des Allitera-Verlags klingt er allerdings etwas ungewöhnlich. "Wia i sechs Jahr oid gwen bin, hob i amoi in am Buach übern Urwoid a Buidl gseng, des wo mi nimma auslasst." Gerd Holzheimer hat Antoine de Saint-Exupérys Klassiker "Der kleine Prinz" ins Bairische übertragen und damit seinem Verlag einen großen Verkaufserfolg beschert. Allitera ist einer der 16 Verlage für Monacensia, Bavarica und Kulturgeschichte, die sich auf der erstmals stattfindenden Buchmesse "Litera Bavarica" präsentieren.

Veranstalter der neuen Messe sind die Histonauten, eine Gesellschaft, die mit ihrer Akademie für Kulturgeschichte Fakten und Kuriosa aus dem bayerischen Kosmos vermittelt. Neben Exkursionen, Führungen und Vorträgen haben sie jetzt eine Buchmesse ins Leben gerufen, auf der ausschließlich bayerische Verlage vertreten sein werden, darunter Größen wie C. H. Beck oder Friedrich Pustet. Vertreten ist auch der Volk Verlag, der regelmäßig und viel publiziert, des Öfteren auch in Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Landesamt für Denkmalpflege oder den Münchner Turmschreibern.

Lena Christs "Die Rumpelhanni".

(Foto: LOhrBär-Verlag)

Einer der ganz kleinen Verlage, die an der Messe teilnehmen, ist der "Hirschkäfer", ein Münchner Ein-Mann-Unternehmen, das versucht, Klischees zu meiden. "Man muss nicht das 500. Oktoberfestbuch machen", sagt der Verleger Martin Arz. "Die Dinge jenseits des Mainstreams sind viel interessanter." Zwischen zahlreichen Krimis und einigen Koch- und Fotobänden kann man sich in seiner Verlagspalette Stadtteilführer mit besonderen Geschichten und Hintergrundwissen zu Münchner Stadtteilen entdecken, wie sie in gängigen Touristenbänden nicht zu finden sind. "Ich möchte damit vor allem auch junge Leute erreichen und in ihnen Begeisterung für ihren Stadtteil wecken", sagt Arz. Er ist auch der Autor dieser Reihe, die mit einer Auflage von 3000 Exemplaren pro Ausgabe das Verlagsprogramm dominiert. Langfristig würde er sich gerne vermehrt dem Belletristischen widmen. Aus dem historischen Roman "Die wilde Reise des unfreien Hans S.", den er geschrieben hat und in dem er die Geschichte eines 14-jährigen Jungen erzählt, der sich dem letzten großen Kreuzzug anschließt, wird er bei der Litera Bavarica in Bonifaz lesen. Dies ist jedoch nur einer der zahlreichen Programmpunkte, welche die Buchmesse ergänzen.

Neben Buchvorstellungen und Lesungen findet sich auch die Hörbuchvorstellung von Sigi Sommers "Sommersprossen" , gelesen von Rüdiger Hacker. Verlegt hat es der Regensburger Lohrbär Verlag, der einzige reine Hörbuchverlag auf der Messe. "Die Qualität muss bei Werken, die zum Hörbuch verarbeitet werden sollen, einfach stimmen. Ob es dazu auch einen Heimatbezug gibt oder nicht, ist eher zweitrangig", sagt Dieter Lohr, der den Einmann-Verlag 2004 gegründet hat. Fast ein Drittel seiner Hörbücher schaffte es auf die hr2-Hörbuchbestenliste, der "Fahrradspeichenfabrikkomplex", seine Auseinandersetzung mit der geplanten atomaren Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf, wurde 2010 sogar für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert. Geld für Werbung haben diese kleinen Verlage kaum. Daher ist nun die Messe im Bonifaz-Zentrum für sie eine wunderbare Möglichkeit, mit dem Publikum näher in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Die Standpreise der Litera Bavarica sind moderat, liegen zwischen 100 und 250 Euro. Ein Bruchteil dessen, was man auf den großen Messen zahlt.

Sigi Sommers "Sommersprossen".

(Foto: LOhrBär-Verlag)

Auch dem Allitera Verlag geht es bei der Teilnahme in erster Linie darum "gesehen zu werden". Der Verlag widmet sich neben vielen anderen Themen auch der Wiederentdeckung von in Vergessenheit geratenen Autoren wie Carry Brachvogel ("Im weiß-blauen Land") oder Georg Queri ("Bayrisches Komödiebüchl"). Bestseller der hauseigenen "edition monacensia" ist der Leseband "Mark Twain in Bayern", der etwa 3000 Mal über den Ladentisch ging. Auf der Messe präsentiert sich Allitera auch mit einer Neuerscheinung: Bernhard Grafs "Sisis Geschwister". Die Publikation "Da kloa Prinz" war im Vorjahr Neuland für den Verlag und wurde von der Leserschaft gut aufgenommen.

Allerdings soll es weitere Klassiker-Übertragungen ins Bairische erst einmal nicht geben. Obwohl Geschäftsführer Alexander Strathern sehr bewusst ist: "Hochdeutsch hat etwas Artifizielles in sich - durch Heimatsprache, durch Dialekt entsteht noch eine zusätzliche emotionale Komponente dazu." Aber vielleicht auch etwas ziemlich Altmodisches. Der wohl berühmteste Satz des Buchs "Ma siehgt ned gscheid, wenn's Herz ned dabei is. Des, worauf's okimmt, des seng d'Augn ned" klingt doch irgendwie schon sehr großväterlich.

Litera Bavarica, Samstag, 4. November, 10 bis 18 Uhr, Zentrum Sankt Bonifaz, Karlstraße 34

© SZ vom 03.11.2017
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