Schon im ersten Jahr seines Bestehens kam es dann zum Eklat. Stein des Anstoßes war ein Reich-Ranicki-Richtspruch, wie er klassischer nicht sein könnte. Zum Text der Autorin Karin Struck merkte der Kritiker an: "Das ist ein Skandal, wie sie schreibt. Wen interessiert schon, was die Frau denkt, was sie fühlt, während sie menstruiert? Das ist keine Literatur - das ist ein Verbrechen."

Dermaßen erniedrigt verließ die damals 30-Jährige unter Tränen den Saal und reiste sofort ab. Als Uwe Bolius, der nächste Kandidat, gegen eine solche Behandlung protestieren wollte, stieß er auf herzlich wenig Unterstützung: Seine Mitbewerber verweigerten die Solidarität und die Jury kürzte ihm noch dazu seine Lesezeit.

Karin Struck, 1975.

Bild: dpa 22. Juni 2010, 17:332010-06-22 17:33:13 © sueddeutsche.de/luc