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Literatur - Erfurt:Frühlingslese setzt politische Akzente: Gauck erwartet

Deutschland
Joachim Gauck, ehemaliger Bundespräsident, bei einem dpa-Interview. Foto: Jörg Carstensen/dpa (Foto: dpa)

Erfurt (dpa/th) - Das Literaturfestival Erfurter Frühlingslese setzt in diesem Jahr demonstrativ einige politische Akzente. Unter anderem wird der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck als Autor mit seinem neusten Buch "Toleranz - einfach schwer" in der thürinigischen Landeshauptstadt erwartet. Mit Lutz Seiler, Rafik Schami oder auch Katja Riemann hat die Frühlingslese einige weitere bekannte Namen im Programm.

Vom 2. März bis zum 11. Mai sind 18 Veranstaltungen geplant. Neben Lesungen - darunter Krimis, Gesellschaftskritik, aber auch Humoristisches - gibt es wieder einen Poetry Slam und einen Diary Slam, bei dem Einträge aus Tagebüchern vorgelesen werden. Hinter dem Festival steht der Literaturverein Erfurter Herbstlese, der - seinem Namen entsprechend - auch ein Literaturfestival immer gegen Ende des Jahres in Erfurt organisiert. Der Verein betreibt zudem den Kulturort Haus Dacheröden in der Landeshauptstadt.

"Das, was vorige Woche passiert ist, zeigt, dass wir noch einiges zu leisten haben", sagte Vereinsvorsitzender Dirk Löhr bei der Programmvorstellung am Montag. Er bezog sich damit auf die maßgeblich von AfD-Abgeordneten unterstützte Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum neuen Thüringer Ministerpräsidenten. Nach einem Sturm der Entrüstung hat Kemmerich inzwischen seinen Rücktritt erklärt.

Vielleicht hätte der eine oder andere politische Akteur früher häufiger zu einem Buch greifen sollen, bemerkte Löhr in einer Mitteilung. Ein Werte-Kompass, wie er jetzt allenthalben gefordert werde, komme eben nicht von allein. Im Frühlingslese-Programm sind denn auch deutlich politische Bezüge zu finden - etwa zum Themenfeld 30 Jahre Deutsche Einheit, wenn Hannes Bahrmann und Verlagsgründer Christoph Links aus ihrem Sachbuch "Finale: Das letzte Jahr der DDR" vorlesen. "Links' Publikationen haben viel zur Aufarbeitung beigetragen", sagte Herbstlese-Programmleiterin Monika Rettig.

Auch im neuen Roman "Stern 111" vom gebürtigen Geraer Lutz Seiler geht es um eine Familie in der Nachwendezeit. Zu Diskussionen dürfte es ebenso bei Ingo Schulze kommen: Er bringt seinen neuen Roman "Die rechtschaffenen Mörder" mit nach Erfurt. Darin erzählt Schulze die Geschichte eines Dresdner Antiquars, der immer stärker in rechtsgesinnte Kreise abdriftet. Schulze und Seiler konkurrieren dieses Jahr um den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse.

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