Literatur In Gänze gelesen haben das Buch die wenigsten Kritiker

In Gänze gelesen haben dürften die wenigsten Kritiker und Kommentatoren Adamczaks Ausführungen. Spätestens im umfangreichen Epilog hätte man sonst gemerkt: Hier schreibt keine Kinderbuchautorin, sondern eine Wissenschaftlerin für ein interessiertes und mit dem Gegenstand vertrautes Publikum.

Das kann man schon auf den ersten Seiten des Buches erahnen, denn da geht es erst einmal um die Übel des Kapitalismus: "Das Einzige, wofür sich die Fabrik interessiert, ist, dass möglichst viel hergestellt und verkauft wird. Deswegen will die Fabrik nur, dass die Menschen glücklich sind, wenn dadurch mehr verkauft wird. Dann aber müssen die Menschen glücklich sein, auch wenn sie gar nicht glücklich sind." Warum also der missverständliche englische Titel?

Übersetzer Blumenfeld verteidigt die Wahl als Kunstgriff, als Wortspiel, als "eleganten Weg", um zu transportieren, dass sich das Buch keineswegs nur an Kinder richte. Die Autorin erzählt, dass sie schon bei den Vorbesprechungen Zweifel hatte. "Ich habe das Buch nie für Kinder geschrieben, sondern für meine Freundinnen."

Damit meint Adamczak Frauen und Männer. Auch im Buch verwendet sie konsequent das generische Femininum; wenn es um Klassenunterschiede geht, ist von Prinzessinnen, Bäuerinnen und Händlerinnen die Rede. Dass die Autorin eine gesellschaftspolitische Agenda hat, bestreitet sie gar nicht - doch wer ihrem Buch die kritische Haltung abspricht, hat es eben nicht gelesen. Kapitelweise werden fünf kommunistische Versuche nachgezeichnet, die am Ende allesamt scheitern.

"Ich wollte ein von Sachzwängen befreites Buch über Kommunismus schreiben"

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Befreite Sexualität, Rock, Kinderläden, Reformunis, Emanzipation, Drogenexperimente, linker Terrorismus. Das wahre Erbe der 68er.   Von SZ-Autoren

Die Idee für ihr Buch sei 2003 im Nachgang zu einer Konferenz zum Thema Kommunismus entstanden, erzählt Adamczak. Dort sei darüber diskutiert worden, wie man den belasteten Begriff wieder verwendbar machen und das utopische Potenzial des Konzepts herausarbeiten könnte. "Ich wollte ein Buch schreiben, das von der Befreiung von vorgeblichen Sachzwängen handelt. In dem es um die immer wieder enttäuschten Hoffnungen und unerfüllten Wünsche geht, die ursprünglich in dieser politischen Bewegung steckten." Von ihren Kritikern wird Adamczak die einfache Sprache nun als Naivität ausgelegt. Zumindest von jenen, die das Buch durchgeblättert haben.

Ursprünglich war das Buch ohnehin für eine ganz andere Leserschaft gedacht. Die Entscheidung, ihr Buch ins Englische zu übersetzen, sei lange vor der heißen Phase des Wahlkampfs in den USA gefallen, erzählt Adamczak. "Seit der Finanzkrise gibt es einen sehr großen Teil der Bevölkerung, der nicht mehr an die Versprechen des neoliberalen Kapitalismus glaubt, denken Sie an Occupy Wall Street oder die Bewegung um Bernie Sanders - der US-Verlag hat vermutlich eine Möglichkeit gesehen, mit dem Buch ein neues Publikum zu erreichen."

Die Breitbart-Journalistin beschließt ihren Text im Übrigen so: "Breitbart News wird keine ordentliche Rezension zu 'Communism for Kids' veröffentlichen, aus Respekt gegenüber Kommunisten, die entrüstet sind, dass dieses Buch verkauft wird." Im Kommunismus, so die Implikation, müsse schließlich alles frei erhältlich sein. Doch ein Buch über Kommunismus ist eben noch kein Kommunismus.