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Literatur:Der ökologische Fußabdruck von Büchern

Plastikmuell durch eingeschweisste Buecher in einer Berliner Buchhandlung Foto vom 21 02 2019 Obw

Papierbuch oder E-Book: Was ist klimafreundlicher?

(Foto: Jürgen Blume/imago)
  • Immer mehr Verlage verzichten auf Plastikfolien zum Einschweißen von Büchern - um das Klima zu schützen.
  • Trotzdem hinterlässt jedes Buch einen ökologischen Fußabdruck: Für die Herstellung von zehn Büchern mit 200 DIN-A-5-Blättern aus Frischfaserpapier müssen rund elf Kilogramm CO₂ aufgewendet werden.
  • Aber auch der E-Reader ist weniger ressourcenschonend, als man denken könnte: nach etwa 30 Büchern zieht er mit dem gedruckten Buch gleich.

Mehr und mehr Verlage gehen dazu über, auf das Einschweißen der gedruckten Bücher in Plastikfolien zu verzichten. E-Books werden eher nicht eingeschweißt. Aber virtuelle Existenzen führen sie nicht. Die Frage, ob es umweltfreundlicher ist, Papierbücher zu lesen oder E-Books, bringt den E-Book-Reader ins Spiel. Er benötigt während der Lektüre dank der stromsparenden E-Ink-Displays nur beim Umblättern eine Energiezufuhr. Aber er muss produziert werden, ähnlich wie ein Smartphone. Das Freiburger Öko-Institut hat berechnet, dass für die Herstellung von zehn Büchern mit 200 DIN-A-5-Blättern aus Frischfaserpapier rund elf Kilogramm CO₂ aufgewendet werden müssen, für Bücher aus Recyclingpapier rund neun Kilogramm. Für die Lektüre dieser Bücher auf einem E-Book-Reader werden durch Herstellung und Nutzung etwa acht Kilogramm CO₂ emittiert. Der Ressourcenverbrauch bei der Produktion von E-Book-Readern ähnelt dem von Smartphones, E-Reader werden aber deutlich länger genutzt als die innovationsgetriebenen Handys. Dem einzelnen Buch gegenüber hat der E-Reader natürlich eine schlechtere Bilanz, aber je intensiver er genutzt wird, desto besser wird seine Bilanz. Als Faustformel gilt, dass der E-Book-Reader nach etwa 30 Büchern mit den gedruckten Büchern gleichzieht. Bei den gedruckten Büchern wiederum schlägt nicht nur die Entscheidung für Frischfaserpapier oder Recyclingpapier zu Buche, sondern auch der Umstand, dass sie von den Druckstandorten aus zirkulieren, also über das Transportwesen Energie verbrauchen. Bei E-Readern spielt eine Rolle, wie der Strom, der ihre Akkus auflädt, produziert wurde.

Die Lesepraxis vieler Menschen folgt der dichotomischen Sichtweise auf gedrucktes Buch und E-Book nicht. Sehr viele Leser sind, medientechnisch gesehen, Mischwesen, die sich nicht auf einen Lektüremodus festlegen lassen. Und fasst man nicht den einzelnen Leser, die einzelne Leserin ins Auge, die mit dem gedruckten Buch oder E-Book eine relativ wenig energieaufwendige Einheit bilden, sondern das literarische Leben, in das die Bücher eingespeist werden, dann geht es plötzlich wie bei den Konzerten der Musikfans um die Zirkulation der Leser im Raum, um Festivals, Lesungen, Buchmessen und die Frage, welche Verkehrsmittel etwa für Lesereisen mit dem neuen Buch genutzt werden. Aber noch endet der Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb nicht mit der Bekanntgabe der CO₂ -Bilanz.

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