LiteraturDas sind die wichtigsten Bücher des Herbstes

Zum Auftakt der Buchmesse: eine Jagd auf Bio-Himbeeren, ein Thriller über einen emanzipierten Vater, ein Roman über eine Frau, die nur noch schlafen will - und weitere Bücher, über die man jetzt spricht.

Julie Zeh: Neujahr

Juli Zehs neuer Roman kreist um eine Figur, die in der Literatur noch recht ungewöhnlich ist: um den überforderten Vater. Henning, ein mittelalter weißer Mann mit Ehefrau und zwei Kindern, wehrt sich keineswegs gegen den Abbau der alten Rollenklischees und den Verlust seiner Privilegien. Er akzeptiert den Wandel nicht nur, sondern betreibt und lebt ihn geradezu vorbildlich. Doch gerade das macht ihn zu einer tragischen Figur.

Der Roman zeigt der emanzipierten Gesellschaft, was sie lieber nicht sehen möchte: dass auch die, die an der Spitze der Emanzipation stehen, sich damit selbst überfordern können, wenn sie versuchen, mehrere Leben gleichzeitig zu leben. Die gesellschaftspolitische Relevanz ließe sich beim Lesen ausklammern, es bliebe dann immer noch ein gut geschriebenes und klug konstruiertes Buch, eine Art Psychothriller. Und weil beides, der Thriller und die Gesellschaftsanalyse, hier so dicht ineinandergreifen, ist "Neujahr" vielleicht Juli Zehs bislang bester Roman.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Karin Janker.

Bild: Luchterhand 10. Oktober 2018, 17:282018-10-10 17:28:59 © SZ.de/jlag/khil/sks