Jonas Lüscher: Kraft

Jonas Lüschers fulminantes Romandebüt "Kraft" erzählt vom Clash zwischen Old Europe und New Economy und vereint Campus-Roman, Gelehrtensatire und beinharte Kapitalismus-Kritik in sich. Die Leichtfüßigkeit, mit der Lüscher philosophische Exkurse und ein fein gewobenes Motivnetz auf nur knapp 240 Seiten zu einer luziden Gegenwartsparabel verdichtet, ist staunenswert.

Titelheld Richard Kraft ist die Karikatur des europäischen Intellektuellen, sein Versagen spiegelt den geistigen Bankrott einer Elite wider, die dem drohenden digitalen Totalitarismus nicht das Geringste entgegenzusetzen hat. Die kühle Intellektualität dieses Autors ist ein schöner Fremdkörper in einer Zeit, in der Reflexionsprosa nicht allzu hoch im Kurs steht. So berechtigt es auch sein mag, Literatur zu einer Hilfskraft der Einfühlung zu machen, so wohltuend ist der Laserblick eines Jonas Lüscher, der unsere Gegenwart mit einem eisigen Sengstrahl analysiert.

Lesen Sie hier die vollständige Kritik von Christopher Schmidt.

Bild: dpa 22. März 2017, 08:302017-03-22 08:30:08 © SZ.de/luch/smb