Literatur Auf leisen Pfoten

Manuela von Perfalls neuer Kinderkrimi

Von Sabine Reithmaier, Greifenberg

Was für ein Schock für den Kunstexperten Ambrosius Mielke: Elf berühmte Frauen sind von ihren Gemälden verschwunden, an ihrer Stelle hängen im Museum nur mehr leblose Fälschungen, die auch noch grobe Fehler aufweisen: Georges Braques "Mandolinenspielerin" hält eine Flöte in der Hand, Jean-Etienne Liotards "Schokoladenmädchen" trägt statt der heißen Schokolade ein halb leeres Wasserglas. Gustav Klimts "Adele Bloch-Bauer" ist nicht in Gold, sondern in Mausgrau gewandet und "Mona Lisa" sitzt mit verkniffenem Mund da. Bloß gut, dass es die zwei Hundedetektive Nasti und Zack gibt, die diesen vertrackten Fall aufklären und dass Jeanne Hébuterne, Amadeo Modiglianis Muse und Modell, ihren roten Schal im Museum zurückgelassen hat.

Den lustigen Kinderkunstkrimi "Die Kunstschnüffler und elf geraubte Frauen" (Horncastle 2017) hat sich Manuela von Perfall ausgedacht. Es ist nicht der erste Krimi der 64 Jahre alten Autorin, die in einem ausgebauten Pferdestall neben Schloss Greifenberg am Ammersee lebt. Mit drei Hunden übrigens, zwei kleinen und einem großen. Derjenige, der auf den Namen Viva hört, lieferte das Vorbild für Zack, den frechen Straßenhund im Krimi. Dann gibt es noch einen Labradormischling und einen Borderterrier - "ich habe Hunde, seitdem ich denken kann", sagt Perfall.

Fast noch inspirierender als die Hunde aber war für das Buch die Erinnerung an ein Gemälde im Schloss der Großeltern, das sie als Kind ungeheuer faszinierte: Auf dem Bild sitzt eine Dame mit einem wahnsinnig breiten Rock auf einem Sofa, hinter ihr befindet sich eine ganz schmale Tür. Manuela von Perfall rätselte wochenlang, wie es der Frau wohl gelungen war, durch die Tür zu kommen.

Eine Lösung fand sie nie trotz aller Gespräche, die sie ganz im Geheimen mit der vornehmen Dame führte. Aber von daher lag es für sie nahe, die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion zu verwischen und Menschen zu erfinden, die sich mit Figuren auf Gemälden unterhalten. Die wiederum haben natürlich überhaupt keine Verständnisprobleme mit den Detektiven.

Es ist bereits der zweite Fall, den die beiden Hunde lösen. In "Als der Dackel aus dem Gemälde verschwand" hatten sie ganz schön zu tun, um die gemalten Tierkollegen zur Rückkehr ins Museum zu bewegen. Diese waren in Streik getreten, weil sie keine Lust mehr zum Stillsitzen hatten. Sie kamen zurück, allerdings nur unter einer Bedingung: Einmal in der Woche das machen zu dürfen, was sie wollen. Kein Wunder also, dass Museen in der Regel montags geschlossen bleiben. Hunde waren auch schon Thema in den anderen Büchern, die Manuela von Perfall schreibt. In "Wohnen mit Hund" stellte sie beispielsweise 18 Wohnungen und Häuser von Hundehaltern wie Erol Sander, Nino Cerrutti, Horst Kummeth, Katerina Jacob vor, in "Luxury for Dogs" befasst sie sich mit edler Hundeausstattung: Spielzeug, Leinen, Fressnäpfe, Möbel, Hundehütten, Transportboxen - "kurz mit dem Verrücktesten, Teuersten, Originellsten, was es für Hunde gibt". Bei so viel Hund wundert man sich dann auch gar nicht, wenn im Hintergrund während des Gesprächs einer bellt. Dann stellt sich allerdings heraus, dass es sich gar nicht um ein Original, sondern um einen Telefon-Klingelton handelt.

Was den Kunstschnüffler-Krimi aber unabhängig von der witzig erzählten Geschichte auszeichnet und besonders empfehlenswert macht, ist der ausführliche Anhang, den die Verlegerin Mona Horncastle geschrieben hat. Darin stellt sie jedes im Buch erwähnte Gemälde und dessen Maler mit einer Abbildung und einer kindgerechten, oft sehr amüsanten Erläuterung vor. Das geht los bei dem wohl berühmtesten "Wimmelbild" der Geschichte, Albrecht Altdorfers "Alexanderschlacht" und endet bei da Vincis "Mona Lisa", der geheimnisvollen Lächlerin.