Jonathan Franzen: Freiheit (mehr als 10.000 Aufrufe)

Der Amerikaner Jonathan Franzen hat allen Grund, so zu lächeln wie hier auf diesem Bild aus seinem neuen Buchtrailer. Sein neues Buch galt bereits vor Erscheinen als sprachlos machendes Meisterwerk. Die Auflagen in Amerika erreichen Millionenhöhen. Franzen prangte unlängst auf dem Cover des Time Magazine, eine Ehre, die zuletzt vor sieben Jahren einem Schriftsteller zuteil wurde, nämlich Stephen King. Und auf jenem Cover sah Franzen nicht nur aus wie der Schriftstellergott, der er ist, sondern wie ein Schauspieler, der einen Schriftstellergott in einem Film von Tom Ford spielt.

Übrigens ist er auf obigem Bild, einem Ausschnitt aus seinem neuen Buchtrailer, realistischer getroffen, einerseits. Andererseits auch wieder nicht. Denn es ist der einzige Moment in diesem Film, in dem Franzen nicht aussieht wie ein ungebügelter Griesgram, der die letzten zwei Wochen einen Helm auf dem Kopf trug.

In diesem Trailer erklärt Franzen, wie unwohl er sich in dieser Sekunde fühlt, weil er diesen Buchtrailer drehen muss. Und wie kontraproduktiv solche Buchtrailer sind, denn Bücher sollten einen Leser ja gerade an einen Ort transportieren, an dem jedes Gequatsche verstummt. Und sie seien, anders als andere Medien, nicht zum Multitasking geeignet. . .

Franzen sitzt im Clip vor einer Bücherwand. Er hält einen Zettel in der Hand, auf den er allerdings nie schaut (obwohl sich darauf möglicherweise das fehlende Glied in seiner Argumentationskette verbirgt). Und an einer Stelle tut Franzen dann so, als müsste er gähnen. Er erzählt ein bisschen was zu seinem Roman, zu der Hauptfigur Walter, die sich mit Überbevölkerung und Vogelschau beschäftigt. Über die Aufgabe eines Romans, der sich der Gesellschaft genauso wie dem persönlichen menschlichen Schicksal widmen sollte. Über . . . Und dann endet der Clip mitten im Wort.

Franzen ist einer der größten lebenden Schriftsteller Amerikas. Er braucht wahrscheinlich keinen Internet-Trailer, um seine Bücher zu bewerben. Aber er hat nun einmal einen gemacht. Und der ist trotz aller offenkundiger Bemühungen auch nicht langweiliger geworden als viele, die interessant sein wollen.

12. September 2010, 14:182010-09-12 14:18:31 © SZ am Wochenende vom 11.9.2010/kar