ModeZiemlich schick zu lesen

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Ein Model bei einer Modenschau während der Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten in Washington. Das Buch: der Roman „Kindred“ von Octavia E. Butler.
Ein Model bei einer Modenschau während der Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten in Washington. Das Buch: der Roman „Kindred“ von Octavia E. Butler.
Shannon Finney/Getty Images

Die Mode liebt alles, was selten ist und in Vergessenheit zu versinken droht. Ein beunruhigendes Zeichen also, dass Luxus-Modelabels nun Bücher als Statussymbole entdecken?

Gastbeitrag von Catharina Rüß

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Wir leben in einer Zeit von Fake News, kurzen Clips und politischem Antiintellektualismus. Doch in der Mode zeichnet sich ein Gegentrend ab. Er heißt Literary Chic. Bücher und Bildung sind das neue Cool, It-Girls inszenieren sich als Lit-Girls. Ihr Style, auch Preppy Look genannt, sieht so aus, wie in Filmen sexy Akademikerinnen präsentiert werden: unaufgeregte Eleganz mit Cardigan, Hemd und Bleistiftrock, Brille auf der Nase und Buch in der Hand. Während der Buchhandel über sinkende Umsätze klagt, die Lesekompetenz abnimmt und die Kultur- und Geisteswissenschaften um ihre Existenz bangen, feiert die Mode die Literatur. Laut Statista lasen im vergangenen Jahr nur noch 31 Prozent der Deutschen ein Buch. Angesichts dieser Tristesse im Land der Dichter und Denker wirken Belesenheit und gedruckte Wörter auf einmal wie Raritäten. Ihre Seltenheit macht sie zum Luxus, zu Signalen von coolen Minderheiten. In unserer hyperreaktiven Like- und Swipe-Kultur ist derjenige eine Seltenheit, der nicht im öffentlichen Nahverkehr durch sein Smartphone scrollt, sondern einen Roman liest. Und die Mode liebt alles, was selten ist und in Vergessenheit zu versinken droht. Sie erhebt es zum Trend.

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