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Streit um Kabarettistin:Lisa Eckhart weist Antisemitismus-Vorwürfe zurück

Kabarettistin Lisa Eckhart

Immer auf der Seite des Humors? Die Kabarettistin Lisa Eckhart.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

"Es gibt teilweise ein boshaftes Missverstehen", sagte die Kabarettistin. Eine Lesung der Österreicherin in Hamburg war vergangene Woche abgesagt worden.

Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart hat Vorwürfe, sie bediene sich antisemitischer und rassistischer Klischees, zurückgewiesen. "Es gibt teilweise ein boshaftes Missverstehen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Wien. Bei manchen scheine es einen klassisch konditionierten Reflex zu geben, auf Reizworte zu reagieren. "Wie geht man mit Antisemitismus und Rassismus um? Erhebt man sie zum Tabu oder degradiert man sie zum Witz? Ich bin immer auf der Seite des Humors", so Eckhart. Wenn man ihre Auftritte genau anschaue, trieften sie fast schon beschämend vor Humanismus und Feminismus. "Wenn mich jemand entlarven will, dann sieht er das."

Hintergrund für ihre Verteidigungsrede ist der Streit um eine Lesung Eckharts in Hamburg und einen Auftritt im WDR aus dem Jahr 2018. Das Literaturfestival Harbourfront hatte sie erst aus- und später, womöglich ein wenig grotesk, erneut eingeladen. Die Kabarettistin und der Zsolnay-Verlag haben diese erneute Einladung am Montag abgelehnt.

Eckhart war eine der angekündigten Teilnehmerinnen im Wettbewerb um den Klaus-Michael Kühne-Preis. Am 14. September hätte sie mit anderen im Nochtspeicher aus ihrem Debütroman "Omama" lesen sollen. Der Spiegel zitierte allerdings aus internen Mails, in denen von Sicherheitsbedenken die Rede war. "Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird", hieß es darin unter anderem.

Offenbar hatte man wohl Sorge, linke Aktivisten könnten den Auftritt stören oder sogar sprengen. Wie konkret mögliche Drohungen in diese Richtung tatsächlich waren, blieb allerdings unklar. Kritiker werfen Eckhart vor, rassistische und antisemitische Klischees zu bedienen. Als Beleg ziehen sie unter anderem den WDR-Auftritt heran, in dem die Kabarettistin Witze über Harvey Weinstein und Woody Allen macht, und deren Rolle in der Me-Too-Debatte mit dem Judentum verknüpft.

PEN: Kein vorauseilender Gehorsam

PEN-Präsidentin Regula Venske hatte die Ausladung der Kabarettistin am Montag noch kritisiert. "Wie viele andere (...) bin ich ob der Ausladung Lisa Eckharts bestürzt. Das kann und darf nicht die Ultima Ratio in dieser Angelegenheit sein!", heißt es in einem offenen Brief an die Festivalleitung sowie an den Nochtspeicher. "Ob die Gewalt von rechten oder linken Extremisten, von religiösen Eiferern oder Psychopathen angedroht wird: Wir dürfen uns ihr nicht in vorauseilendem Gehorsam beugen", schreibt Venske weiter.

An Künstlerinnen und Künstler gerichtet, die sich angeblich geweigert hatten, mit Eckhart aufzutreten, meinte Venske: "Wer mit einem Kollegen, einer Kollegin nicht auftreten will, muss selbst zu Hause bleiben und kann nicht dem Veranstalter vorschreiben, mit wem er oder sie zu lesen bereit ist oder wer weiter im Rennen bleiben darf." Gerade am Umgang mit "trivialeren" Kunsterzeugnissen zeige sich, wie es um Demokratie und Meinungsfreiheit steht.

© SZ/dpa/biaz/cag
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