"Like it" im Essl-Museum bei Wien Kunst per "Gefällt mir"-Klick

Was passiert, wenn ein Museum seine Facebook-Fans bestimmen lässt, was in die nächste Ausstellung kommt? Das Essl-Museum in Klosterneuburg bei Wien hat diesen Versuch gewagt - und wurde von den Ergebnissen teilweise überrascht.

Von Anne Hemmes

Die Frau auf dem Bild steht vor einem Spiegel, blickt nach unten. Hinter dem Kopf knotet sie sich eine Wrestler-Maske zu, die ihr Gesicht verdeckt. Sie möchte nicht erkannt werden, im Privaten verschwinden. Aber wie viel ist heute noch privat und was ist öffentlich? Mit dieser Frage setzt sich die Ausstellung "Like it" im Essl-Museum bei Wien auseinander. Das Besondere: Facebook-Nutzer haben nicht nur das Thema bestimmt, sondern auch, welche Werke in die Ausstellung kommen.

Jenseits von langweiligen Gewinnspielen sind immer mehr Museen in sozialen Netzwerken aktiv. Sie erreichen dort vor allem ein junges Publikum und nutzen die Netzwerke, um sich mit potenziellen Besuchern auszutauschen oder einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren.

Das Essl-Museum bei Wien hat nun zum ersten Mal eine Ausstellung gemeinsam mit seinen Facebook-Fans kuratiert. Aus etwa 7000 Werken des Museums wurden 150 ausgewählt und auf der Facebookseite gepostet. Dabei wurde sich auf Kunst beschränkt, die nicht älter als 40 Jahre ist. "Irgendwo mussten wir die Grenze ziehen, sonst wäre es zu viel geworden", sagt Ausstellungsleiter Andreas Hoffer. Zwei Wochen lang konnten die Nutzer abstimmen, welche Werke ihnen am besten gefallen.

"Wir haben alle Künstler, deren Werke dabei waren, vorab informiert", sagt Hoffer. "Natürlich gab es einige, die daraufhin Werbung für ihre Stücke gemacht haben." Hoffer betrachtet das aber als einen Teil des Netzwerkes, für das er selbst wirbt. "Es wäre seltsam, wenn es nicht passiert wäre." Gewundert habe ihn vielmehr, dass dieses Prinzip nicht immer aufgegangen sei und Bilder auf den vorderen Plätzen landeten, für die die Künstler nicht explizit geworben hätten.

45 000 Aufrufe

Seit 2010 ist das Essl-Museum auf Twitter und Facebook aktiv. Mit der "Like it"-Ausstellung habe man ein Experiment wagen wollen, sagt Hoffer. "Wir fanden es spannend, zu sehen, mit welchen Ansätzen Laien an die Auswahl der Werke herangehen." Natürlich berge das auch eine Gefahr, aber das gehöre zu einem Versuch dazu. "Sonst findet die Auswahl hinter verschlossenen Türen statt. Wir wollten uns dafür öffnen und sehen, wie es abläuft."

1100 Facebooknutzer haben mitgemacht und etwa 4000 Mal auf "Gefällt mir" geklickt. Die zur Auswahl stehenden 150 Bilder wurden innerhalb von zwei Wochen insgesamt 45.000 Mal aufgerufen. Überrascht war Hoffer, dass Videos gar nicht gut ankamen. "Das war wohl der Klick zu viel", meint der Kurator.