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Liederabend:Nixe Binsefuß und Danny Boy

Die irische Mezzosopranistin Tara Erraught in der Allerheiligen Hofkirche

Es klingt fast ein wenig entschuldigend, als sich Tara Erraught nach dem ersten Block mit Liszt-Liedern charmant an das Publikum in der Allerheiligen Hofkirche wendet und ihr Programm erklärt. Vor drei Jahren sollte die irische Mezzosopranistin bei der Schubertiade mit einem deutschen Liederprogramm einspringen. Ihre Lehrerin Brigitte Fassbaender hatte den Auftritt vermittelt und außerdem den passenden Tipp für die Liederauswahl parat: "Sing doch einfach deine Lieblingslieder." Das Ergebnis ist ein wilder Ritt durch die Romantik von Franz Liszt bis Richard Strauss; es gibt bekannte Hits, keine kohärenten Liederzyklen. Das funktioniert nur, wenn jedes Lied als szenischer Mikrokosmos angegangen und bis ins letzte Detail ausgedeutet wird. Ein Kunststück, das Tara Erraught bei ihrem Liederabend in München bravourös gelingt. Makellos schön ist ihr Ansatz, ihr Timbre vielfältig und farbenreich. In der Tiefe klingt sie dunkel und voll, ihre Höhe klar und jugendlich; beides weiß Erraught geschickt und nuancenreich zu mischen.

Als ehemaliges Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper ist sie beim Münchner Opernpublikum geschätzt und ihre Bühnenpräsenz zahlt sich auch beim Liederprogramm aus. Dezente Gestik, aber ausdrucksstarke Mimik reichen Erraught aus, um ihrem Publikum Liszts "Loreley" und Wolfs "Nixe Binsefuß" mit szenischer Kraft vorzutragen. Stimmungswechsel geschehen bei Erraught unvorhergesehen und mühelos, ihre Diktion ist perfekt, auch wenn sie selbst bei ihren kurzen Zwischenmoderationen völlig zu Unrecht über ihr "kaputtes" Deutsch scherzt. Strauss' "Allerseelen" oder "Morgen" trägt sie in sakraler Langsamkeit vor, atmosphärisch gibt das den Werken wenig, dennoch zeigt sie sich dann bei den jeweils anschließenden Liedern "Zuneigung" und "Cäcilie" mit umso berauschenderem Klang. "Zu schweben empor, lichtgetragen, zu seligen Höhen" gerät in großem, lyrischem Bogen mit sattem Klang zum Fest für jeden Strauss-Verehrer.

Am Klavier präsentiert sich der Südafrikaner James Baillieu als umsichtiger Begleiter, der aber vor allem bei den Liszt-Liedern eigenständig und ideenreich bleibt. Sprudelnde Gewässer, silbriges Mondlicht lässt er da süffig und mit viel Pedal entstehen. Das funktioniert auch bei den Strauss-Liedern gut, bei Brahms geht so aber die harmonische Durchsichtigkeit bisweilen verloren. Als Zugabe singt Erraught drei Lieder aus ihrer irischen Heimat, darunter "Danny Boy", und erzählt, warum auch diese Lieder ihr so viel bedeuten: Mit solchen habe sie einst in Dublin das Singen überhaupt erst begonnen.

© SZ vom 27.01.2020