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Liebesgeschichten:Liebesfluch und Erdbeermilch

Elizabeth Acevedo - Soul Food

Elizabeth Acevedo: Soul food. Aus dem Englischen von Anne Brauner. Rowohlt Taschenbuch, Hamburg 2021. 345 Seiten. 16 Euro.

Zwei starke Heldinnen von der Küste New Englands und aus Philadelphia.

Von Roswitha Budeus-Budde

Klopfende Herzen schlagen heftig und dramatisch in der Frühjahrsproduktion für jugendliche Leserinnen. "Die Entscheidung, ausgerechnet in diesem Lockdown-Schreibjahr einen Roman auf den Kanarischen Inseln anzusiedeln, war eine richtig gute, finde ich", schreibt die Autorin Lea Coplin im Nachwort ihres Jugendromans "Mit dir leuchtet der Ozean" (dtv), nach 329 Seiten Liebeswirren inklusive Happy End. "Während draußen die Welt einzufrieren schien, hörte ich drinnen die Palmen im Wind knistern, Wellen gegen den Strand schlagen und die klopfenden Herzen meiner Protagonisten." Das bewährte literarische Muster der leichten Unterhaltung - Introvertierter, abweisender Junge mit markantem Profil und Waschbrettbauch wird von einer taffen jungen Frau in ein soziales Wesen und einen hinreißenden Liebhaber verwandelt - scheint trotz der aktuellen Diskussion über die Gender- und "Me Too"- Debatte zeitlos. Auch wenn die Mädchen als Bloggerin oder Influencerin auftreten, teilen sie doch die Lebenswelten ihrer Leserinnen mit typischen Teenieproblemen.

Dass eine Geschichte an literarischer Spannung und Intensität gewinnt, wenn Autorin oder Autor den Mut haben, diese heilen, nur kurz für das Happy End gestörten Jugendwelten zu verlassen, beweist die amerikanische Autorin Jenn Bennett in "Wiedersehen mit Lucky" (Carlsen Verlag 2021, 15 Euro). Die Ich-Erzählerin Josie muss um ihre Zukunft kämpfen, denn das Leben der Großmutter, der Cousine und der eigenen Mutter erscheint als eine Abfolge nicht endender Katastrophen. Lastet auf ihrer Familie wirklich ein Liebesfluch, wie alle glauben? Der eintritt, als Josie mit ihrer Mutter - die immer bereit ist für kurze Online-Dates - in die kleine, hippe Küstenstadt Beauty in New England zurückkehren muss, aus der sie vor fünf Jahren vor der Großmutter geflohen sind.

Mit geschickter literarischer Dramaturgie entwickelt sich neben einer Liebesgeschichte zu Lucky, Josies Kinderfreund, das lebendige Bild einer typisch neuenglischen Küstenstadt, die von einer reichen Familie beherrscht wird. In der Mutter und Tochter die Ablehnung und Feindschaft der Einwohner spüren. Mit gemeinen und auch gefährlichen Aktionen wird versucht, Josies Leben und besonders ihre Nähe zu Lucky zu behindern und zu zerstören. Seine selbstlose Art, ihr zu helfen und sie zu schützen, obwohl er selbst als Außenseiter in Schwierigkeiten steckt, verwirrt Josie. Nach dramatischen Szenen folgt dann für alle Beteiligten etwas plötzlich das erwartete gute Ende, und sogar Josies Berufswunsch erfüllt sich, nachdem sich alle Frauen der Familie zum ersten Mal wirklich zusammentun und miteinander reden. Der Fluch ist endgültig aufgehoben.

So ein glückliches Ende und die Aussicht auf den richtigen Jungen und auf ein Leben mit dem Lieblingsberuf kann in "Soul Food" (rowohlt Rotfuchs,16 Euro), der afroamerikanischen Autorin Elizabeth Acevedo die 17-jährige Emoni am Anfang nicht erwarten. "Jep, ich war das Mädchen, vor dem alle Mütter gewarnt haben. Sich mit mir anzufreunden. Oder so zu werden wie ich." Mit 17 schon Mutter einer zweijährigen Tochter, lebt sie in Philadelphia mitten in der spanisch-karibischen Gesellschaft, bei der Großmutter. Das Einzige, was sie wirklich fasziniert, ist Kochen, darin hat sie es zur Meisterin gebracht. Und die Kochrezepte, zum Beispiel Erdbeermilch, die immer wieder die kurzen chronologisch erzählten, oft ironisch selbstkritischen Episoden unterbrechen, lassen das karibische Lebensgefühl der Autorin mitschwingen. Das sich auch in den Porträts der Großmutter und des Vaters, der Lehrer, die sie unterstützen, und des neuen Jungen, ausdrückt. Und den Mut von Emoni beflügelt, ihren eigenen Rhythmus zu finden und zu leben. (ab 13 Jahre)

© SZ vom 18.06.2021
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