"Leuchtturm" für Peter Merseburger Glückwunsch!

Er prägte "Panorama" und den Spiegel, schrieb Biographien über Augstein und Brandt: Peter Merseburger erhält am Abend den "Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen". Hier die Laudatio.

Von Hans Leyendecker

Er prägte "Panorama" und den Spiegel, schrieb Biographien über Rudolf Augstein und Willy Brandt. Der Journalist Peter Merseburger erhält am Abend den "Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen" von der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche. Hier die Laudatio.

Hatte immer treue Bewunderer und genügend verlässliche Gegner: Peter Merseburger.

(Foto: Foto: ddp)

Wenn ein Journalist einen anderen Journalisten ehrt, ist das aus vielerlei Gründen nicht ganz einfach. Ich habe es bei einer solchen Gelegenheit schon erlebt, dass sich ein Kollege heftig versprochen hat. Er sagte: "Gegnerschaft und Bewunderung schließen sich nicht gegenseitig aus". Und dann, nach einer kleinen Pause: "Meine Damen und Herren, ich bewundere mich."

Peter Merseburger, den wir heute auszeichnen wollen, hatte immer treue Bewunderer und häufig genug auch verlässliche Gegner. "Seine stechenden Augen, die Attitüde des deutschen Gymnasiallehrers alten Typs hinter dem Katheder, der jesuitische Zug" machten Merseburger nicht gerade zu einem "Mann fürs Herz" textete 1975 ein FAZ-Journalist.

"Wer kennt sein Gesicht nicht von der Mattscheibe im Wohnzimmer - die schmalen, klugen, skeptischen Augen, die hohe Stirn, furchendurchzogen unter dem angegrauten Haarschopf" - so rühmte ihn gut ein Jahrzehnt später der Ost-Berliner Schriftsteller Stefan Heym.

Zu Merseburgers 80. Geburtstag im Mai dieses Jahres schrieb die kundige Franziska Augstein, der Mann sehe heute ein bisschen wie ein genialer Professor aus. Sein ergrautes Haar sei lockig, was auf Inspiration hinweise, seine rund eingefassten Brillengläser verrieten den Intellektuellen. Er eigne sich auch für die Rolle eines Erfinders, der in seiner Garage eine Zeitmaschine baut. Was Frauen von Männern nicht alles erwarten.

Journalisten wissen: Jeder sieht, was er sehen will. Aber stechende Augen? Bestechend sind manchmal seine Argumente, durchdringend ist sein Verstand. Merseburger hat übrigens einen Kennerblick für die Kostüme, in die Kulturmenschen gern ihre Unzulänglichkeiten und Lebenslügen stecken.

Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche möchte heute Peter Merseburger mit dem Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen auszeichnen. Er erhält, so lautet die Begründung, den Preis für seine im Jahr 2007 erschienene Biografie über Rudolf Augstein und für sein journalistisches Lebenswerk.

Ein großes Journalistenleben

Den Hinweis auf ein Lebenswerk kennen Sie schon von anderen Gelegenheiten. Das ist manchmal nur ein kleiner Trick der stolzen Preisverleiher, wenn sie sich ein bisschen spät mit einem ganz Großen schmücken wollen, der leider schon im Ruhestand ist. Das ist Merseburger glücklicherweise noch nicht. Er ist immer noch der alte Alchemist, der am Schreibtisch sitzt und in einem engen Nest aus Papieren, Büchern und Zeitungen die Welt destilliert. Andererseits bietet der Hinweis auf sein Lebenswerk die Möglichkeit, ein großes Journalistenleben zu betrachten.

Also nehmen wir doch Franziska Augsteins Zeitmaschine. Der Beamtensohn Merseburger, der in Halle und Marburg studierte, stammt aus dem sächsischen Zeitz, wo er seit Anfang dieses Monats auch Ehrenbürger ist. Als er im Friedenssaal des Zeitzer Rathauses über seine Kindheit sprach, erwähnte er die Blutbuche in Großvaters Garten und die Gerüche, die ihm in Erinnerung geblieben seien: Der Gestank nach Chemie und die Abluft verbrannter Braunkohle. Auch sagte er, dass es früher in Zeitz für ihn manchmal ein bisschen eng gewesen sei. Merseburger hatte 1947 vierzehn Tage im örtlichen Gefängnis verbracht, weil er für die CDU Plakate geklebt und Zeitungen, die es in Sachsen nicht geben durfte, verteilt hatte.

Für dieses Engagement, meine Damen und Herren, heute ist vielleicht die Gelegenheit, das mal zu erwähnen, hat ihm die CDU niemals gedankt. Vielleicht waren die Oberen beschämt, dass einer hinter Gittern kam, weil er der Partei etwas Gutes tun wollte. Und für das Gute brauchte es bei Merseburger nicht mal ein Ehrenwort.

Ja, wenn man die Fernsehzeit Merseburgers Revue passieren lässt, kann sogar der Eindruck aufkommen, dass die CDU ein undankbarer Haufen ist. Mancher Unionspolitiker hat ihn behandelt wie einen Feind, wie den Feind.

Dazu bot sich vor allem Gelegenheit, als Merseburger 1967 die Leitung des ältesten politischen Fernsehmagazins "Panorama" übernahm. Der Ausruf des CDU-Abgeordneten Friedrich Vogel im Bundestag, "dass wir das intellektuelle Gerede eines Herrn Merseburger endlich leid sind", war damals noch eine der nettesten Bemerkungen der Bürgerlichen über den Moderator.

Vom Bildschirm verbannt

Üblich waren Anfeindungen wie "Agitation", "Demagogik", "Manipulation". Immer wieder drängten die Christsozialen ihren damals fast hauseigenen Sender, den Bayerischen Rundfunk, zur Abschaltung, wenn Merseburger mit Panorama erschien. Nach dem Streit um einen abgesetzten Panorama-Beitrag über den Paragraphen 218 forderten CDU-Politiker, dieser Merseburger müsse vor Bundestagswahlen vom Bildschirm verbannt werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie der Fernsehmensch Merseburger war.