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Lesung:Läuterung

Dante-Marathon in der Bayerischen Staatsbibliothek

Die Hochmütigen laufen gekrümmt, da sie Steine auf ihrem Rücken schleppen. Den Neidvollen sind die Augen zugenäht, auch die Zornigen sehen nichts, weil schwarzer Rauch ihre Sicht versperrt. Im zweiten Teil der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri (1265-1321), dem "Purgatorio", klettern die Sündigen die sieben Terrassen des Läuterungsbergs hinauf - um ganz oben das Paradies zu erreichen.

In der Bayerischen Staatsbibliothek fand anlässlich des 750. Geburtstags des Autors nun ein "Dante-Marathon" statt - der zweite Teil, nachdem im vergangenen Jahr der erste dran war. Ein Marathon von fast zehn Stunden, bei dem sich der Saal langsam etwas leerte. Jutta Steigerwald gehörte zu den wenigen, die den ganzen Tag blieben. Sie findet, dass Dantes Werk viele Botschaften enthält: "Gerade bei der aktuellen Lage auf der Welt sollten die Menschen dringend aus den Fehlern, die in der Vergangenheit passiert sind, lernen."

Für Leute ohne Italienischkenntnisse war es anstrengend, der Lesung auf Dauer zu folgen: Die meisten Gesänge wurden in der Originalsprache gelesen, die deutsche Übersetzung lief auf einem Beamer mit. Ein Trost war, dass die Sprache so schön klingt - auch, ohne sie zu verstehen. Unter den Vorlesenden waren Studenten der Italianistik, Autor Michael von Cranach, Schauspieler, Künstler und Psychologen - und Kabarettist Gerhard Polt. Er schwärmte schon als Kind für Dante: "So richtig Feuer fing ich dann bei einem Besuch auf der Insel Ischia, als ein Schauspieler Dantes Komödie vor Publikum las", sagt er. Für Architekt Gerhard Feuser wurde die Dante-Lektüre sogar zu einem wichtigen Ausgleich zu seinem Beruf: Während er das "Inferno" las, begann er Aquarelle zu malen; im vergangenen Jahr wurden sie in der "Stabi" ausgestellt. Zum "Purgatorio" allerdings hat Feuser nur Skizzen gemacht, keine Aquarelle: "Das Ergebnis sah auf einmal nach Kitsch aus."