Süddeutsche Zeitung

Kunst und Rechtspopulismus:Wem gehört Leonardo da Vinci?

  • Zum 500-jährigen Todestag von Leonardo da Vinci 2019 plant der Louvre eine große Ausstellung, die fast alle der heute 14 anerkannten Gemälde des Meisters versammeln soll.
  • Mit Rom wurde ausgehandelt, dass beinahe sämtliche in italienischen Sammlungen befindlichen Gemälde nach Paris kämen.
  • Eine Staatssekretärin der italienischen Rechtspartei Lega sagte nun aber, die Ausleihen müssten neu verhandelt werden. Leonardo sei Italiener gewesen.

Wird nun auch die hohe Kunst und Kultur durch die Niederungen des populistisch-patriotischen Eigensinns gezogen? Zwischen Paris und Rom hat vor dem Hintergrund der Gifteleien, die Emmanuel Macron und der Innenminister Matteo Salvini seit Längerem schon über Migranten, Haushaltspolitik und Europa miteinander austauschen, gerade ein skurriles Pokern begonnen. Zum 500-jährigen Todestag von Leonardo da Vinci im nächsten Jahr plant der Louvre eine große Ausstellung, die um Mona Lisa herum fast alle der heute insgesamt 14 anerkannten Gemälde des Meisters versammeln soll. Mit Rom wurde ausgehandelt, dass sämtliche in italienischen Sammlungen befindlichen Gemälde nach Paris kämen, außer der für den Transport zu fragilen "Anbetung der Könige" aus den Uffizien. Im Gegenzug sollte Frankreich für das Raffael-Jubiläum (dessen 500. Todestag wird 2020 gefeiert) im Scuderie-Museum des Quirinals in Rom großzügig mit Leihgaben aushelfen.

Lucia Borgonzoni, die neue Staatssekretärin für Kultur und Mitglied der italienischen Rechtspartei Lega, sagte nun aber, die Ausleihen müssten neu verhandelt werden. Leonardo sei Italiener gewesen und in Frankreich nur verstorben, es gehe nicht an, dass die Franzosen fürs Jubiläum nun ihr Land in den Schatten stellten - und im Übrigen seien die französischen Zusagen für Raffael-Leihgaben zu vage.

Dabei hat der Louvre seine Da-Vinci-Ausstellung erst auf den Herbst 2019 angesetzt und für den eigentlichen Gedenktag am 2. Mai 2019 den Italienern für diverse Veranstaltungen den Vortritt gelassen. An jenem Tag des Jahres 1519 ist Leonardo nach dreijähriger Tätigkeit für den französischen König Franz I. im Loire-Tal gestorben und dort in der Kapelle des Schlosses von Amboise auch begraben worden. Der Staatssekretärin gefällt das alles nicht. Die Eigenständigkeit der Museen habe dort ihre Grenzen, wo es um nationale Belange und Größe gehe, meint sie.

In Paris hüllt man sich in Schweigen und versucht, die Situation diplomatisch aufzufangen. Eine Katastrophe wäre das Ausbleiben der einen oder anderen Leihgabe aus öffentlichen italienischen Sammlungen zwar nicht. Werke wie der "Heilige Hieronymus" aus dem Vatikan wären vom Rückzug der Regierung ohnehin nicht betroffen. Ärgerlich wäre das Fehlen wichtiger Exponate für den Louvre aber dennoch. Hinsichtlich Leonardo hat das Pariser Museum gerade mehrere Missgeschicke hinnehmen müssen. Eine vor zwei Jahren aufgetauchte Zeichnung da Vincis vom Heiligen Sebastian, die für 15 Millionen Euro auf den Markt kam, hätte der Louvre gern erworben, musste die Frist fürs Vorkaufsrecht aber wegen Finanzierungsschwierigkeiten verstreichen lassen. Und das bis heute unter Verschluss gehaltene angebliche Leonardo-Bild "Salvator Mundi", das vor einem Jahr für 450 Millionen Dollar für den Louvre in Abu Dhabi gekauft wurde, bleibt als Streitfall der Zuordnung mehr ein Gerücht als ein Kunstschatz. Ob es in der großen Pariser Jubiläumsausstellung Leonardo da Vincis hängen wird, verliert von Tag zu Tag an Wahrscheinlichkeit.

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Quelle:
SZ vom 12.12.2018/khil
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